Bayreuther Stücke
Katharina: die Provinz
Auf gut Fränkisch klingt das Wort wie eine Drohung: Brrroowinz. Der letzte Patriarch von Bayreuth hatte sich darin indes sehr wohl gefühlt. Denn Wolfgang Wagner, Alleingesellschafter der Bayreuther Festspiele, wusste, wie auch schon sein Großvater Richard, um die Vorzüge der Abgeschiedenheit von den Zentren. In der Provinz Erster zu sein, heißt schalten und walten zu können nach Herzenslust. Heißt, den eigenen Stern so hell und einsam erstrahlen lassen zu können, dass alles andere dagegen verblasst.
Die Kritiker sind weit weg, vor Ort gibt es nur Bewunderer. Über die Speichellecker und Katzbuckler schweigt des Kritikers Höflichkeit. Katharina Wagner hatte ihren Urgroßvater dagegen kurz vor Festspielbeginn im «Spiegel»-Interview verflucht ob seiner Ortswahl. Später korrigierte sie: Sie habe nur die Deutsche Bahn gemeint, die Bayreuth so sträflich vernachlässige. Dort aber brodelt es seitdem. Und wir fragen uns: Zeugt dieser Eklat tatsächlich von Provinz-Klaustrophobie? Oder eher medialer Ungeschicklichkeit? Oder einfach kriegerischer Lust an der Provokation? Oder latenter Verzweiflung an der bislang alles andere als strahlenden gemeinsamen Intendanz-Zeit mit ...
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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Alexander Dick
Abschied
Ein Jahr vor ihrem Tod haben wir in ihrem Dresdner Intendantenbüro zusammengesessen. Es ging um die Semperoper, um Christian Thielemann, den sie gerade als Chefdirigent für die Staatskapelle gewonnen hatte, um Gott und die Welt. So war es immer, wenn man mit Ulrike Hessler sprach. Auf Kritik konnte sie auch mal dünnhäutig reagieren, aber sie war nie...
«‘s ist Krieg! ‘s ist leider Krieg». Zu den Klängen eines Triumphmarsches fährt der siegreiche Feldherr Ezio in einem mit Lüstern aus Kunststoff dekorierten Auto vor. Noch begrüßt ihn sein kaiserlicher Herr freundlich als Retter des Vaterlandes. Doch alsbald drohen Konflikte, denn der Kaiser begehrt dieselbe Patriziertochter, die der Feldherr bereits seit längerer...
Frau Saariaho, brauchen Sie die Oper, um ein größeres Publikum zu erreichen?
Ja, so ist es. Denn die Oper bringt ja nicht nur ein größeres Publikum, sondern auch ein gemischteres. Und sie bringt die großen Dirigenten. Wenn es gute Aufführungen sind, ist die Oper für viele Menschen ein gut zugängliches Medium. Von «L’Amour de loin» gab es immerhin acht Produktionen....
