Editorial September/Oktober
Es könnte glatt eine Empfehlung von Frank Castorf sein. 2016 wird Jonathan Meese in Bayreuth den «Parsifal» – nein, sicher nicht inszenieren, aber in den ihm eigenen Kosmos eingemeinden. Meese sagt ja schon lange, dass ihn Wagners Musik anmacht, weil man bei ihr in Trance kommt. Mit einer «Parsifal»-Performance ist er bereits 2005 an der Berliner Staatsoper gewesen – im Magazingebäude, aber immerhin. In der «Opernwelt» stand damals, dass es ziemlich egal ist, mit welchem Soundtrack Meeses Exerzitien beschallt werden.
Seine Tabubrüche seien das leere Versprechen eines verzweifelten, von antizivilisatorischem Ekel getriebenen Moralisten, der «seinsmythisches Tralala als Erlösungsvision» zelebriere (OW 5/2005). Elf Jahre später hat er den Hügel erreicht. Wir sind gespannt, wer dann wen erlöst. Den Soundtrack koordiniert Andris Nelsons, zur Besetzung gehören Petra Lang, Klaus Florian Vogt und Georg Zeppenfeld.
Erstmals haben die beiden Festspielleiterinnen ihre Pläne bis 2020 mitgeteilt – und auch, dass man wohl erst 2016 sehen werde, was sie alles auf den Weg gebracht haben. Der selbstbewusste Poker um die Verlängerung hat also längst begonnen. Meeses «Parsifal» folgt auf einen von ...
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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch, Albrecht Thiemann
Seit 1600 sind an die zehntausend Opern geschrieben worden – eine Riesenpartitur, die beständig wächst. Als «Gesamtoper» hat Alexander Kluge diesen Schatz einmal bezeichnet. Im Grand Théâtre du Provence ist er nun um ein weiteres Stück bereichert worden, um ein spannendes dazu: George Benjamins «Written on Skin», die (nach der kleinformatigen...
Abschied
Ein Jahr vor ihrem Tod haben wir in ihrem Dresdner Intendantenbüro zusammengesessen. Es ging um die Semperoper, um Christian Thielemann, den sie gerade als Chefdirigent für die Staatskapelle gewonnen hatte, um Gott und die Welt. So war es immer, wenn man mit Ulrike Hessler sprach. Auf Kritik konnte sie auch mal dünnhäutig reagieren, aber sie war nie...
In den meisten Bühnenwerken Massenets geht es um Sinnlichkeit, Erotik, Begierde und außerehelichen Sex in allen nur erdenklichen Spielformen – und ausgerechnet zum Centenaire sind zwei DVD-Mitschnitte seiner «keuschesten» Opern herausgekommen: «Cendrillon» und «Don Quichotte» (siehe OW 06/2012), die sehr liebliche Aschenputtel-Version von 1899 und das traurige Ende...
