Baden-Badener Auflauf
Preisfrage: Zwei Abende «Pique Dame» in einer Neuinszenierung vom Sankt Petersburger Mariinsky-Theater, und zwei Abende «Le nozze di Figaro» mit Galabesetzung, aber konzertant – was beschert den Baden-Badener Sommerfestspielen die größere Publikumsnachfrage? Antwort: Mozart. Dabei bereitet die Tschaikowsky-Produktion auch einem mit «Regietheater» mitteleuropäischer Couleur fremdelnden Publikum keinerlei Schwierigkeiten.
Alexei Stepanyuk und seine Ausstatter Alexander Orlov (Bühne) und Irina Cherednikova (Kostüme) bieten Opulenz fürs Auge, schaffen es aber auch, unter extensivem Einsatz der Bühnenmaschinerie Räume filmisch zu verdichten und so die auskomponierten Wechsel von großen Ensemblebildern zu lyrischer Melancholie visuell zu begleiten. Der Regisseur spielt mit symbolhaften Elementen, aber nichts ist verrätselt: Da steht etwa ein kleines Kartenhaus an der Bühnenrampe, das – natürlich – in dem Moment einstürzt, in dem Hermann sein
Lebensglück verspielt.
Die Extrovertiertheit dieser Spielernatur fängt Mikhail Vekua gut mit seinem kraftvollen, slawisch flutenden Tenor ein. Allerdings geraten ihm die Fortissimo-Ausbrüche in der Höhe deutlich zu scharf, zudem leicht unsauber. Irina ...
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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Magazin, Seite 82
von Alexander Dick
Kennen Sie Méhul? Vor hundert Jahren hätte sich auch im deutschsprachigen Raum jeder Opernliebhaber an die biblische Oper «Joseph» erinnert; noch 1920 richtete Richard Strauss höchstpersönlich diese Partitur aus dem Jahr 1807 für die Dresdner Staatsoper ein. Das erfolgreichste Werk des aus dem französisch-belgischen Grenzgebiet stammenden Komponisten liegt seit...
Brünnhilde will nicht. «Heil, dir, Sonne!» drei, vier, fünf Meter über dem Boden? «Da kann ich nicht frei singen», sagt Judith Németh. Das Schwanken, der Schwindel, das Herzrasen. Schon der Blick auf die Gondel, in der die Walküre im dritten «Siegfried»-Akt aus der Tiefe auffahren soll, dem Liebeslicht entgegen, bis das wallende Brautkleid die Bühne füllt, macht...
Bei der Uraufführung am 28. November 1813 in Neapels Teatro San Carlo sang Isabella Colbran die Titelpartie. Zehn Jahre später gab Giuditta Pasta die korinthische Königstochter in einer überarbeiteten Fassung. Doch bald sollte Simon Mayrs «Medea in Corinto» von Luigi Cherubinis bereits 1797 komponierter «Médée» überflügelt werden – und geriet in Vergessenheit. Ihre...
