Ausser sich
Das ist der Stoff, aus dem die Depressionen sind. Neureiche Eltern, Emporkömmlinge, bei denen die Selbstreflexion allerdings nicht Schritt hält mit den wachsenden Renditen. Mama pflegt das Leben als Fassade, der Ehe-Frust sucht sein Ventil im Hyper-Exaltierten. Da bleiben kaum Raum und Liebe für Tochter Antoinette, die unterm Tisch kauert, sich in Irreales davonträumt oder dunkle Fantasien hegt. All das bricht auf, als man mit einem Ball glänzen will – und nur ein Gast kommt.
«Le Bal», dieser Satire-Tragödie-Mix mit einem Schuss Freud, kam 2010 an der Hamburgischen Staatsoper heraus. Oscar Strasnoy, 1970 in Argentinien geboren, vertonte mit Hilfe von Librettist Matthew Jocelyn eine Novelle von Irène Némirovsky. Und die Bayerische Theaterakademie trat nun im Prinzregententheater den Beweis an: Die Farce passt perfekt für eine Ausbildungsschmiede, in der sich Jung-Solisten schließlich auch mit der Moderne befassen müssen, ohne dabei den Spaß zu verlieren.
Munter hat Strasnoy einen Strauß zusammengepflückt vom Folksong über Charleston, Nähmaschinengeräusch, kleine Endlosschleifen und Klangwetterleuchten in Neonfarben bis zum Mahler-Zitat. Ständig ist diese Musik außer sich (was Ulf ...
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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Markus Thiel
Verärgert klang es, wütend. Buh! Und es waren keineswegs nur ein paar versprengte Berufsprotestierer, die gegen die zweite Musiktheaterpremiere unter dem neuen Zürcher Opernintendanten Andreas Homoki aufmuckten. Ihre Wut war sehr vernehmlich. Es war freilich auch etwas für sie Neues zu sehen und zu hören gewesen, etwas Seltsames, Irritierendes – etwas, das in den...
Jubilare
Wie so viele britische Dirigenten ist er ein Spross der Kathedralchortradition und ausgebildeter Organist. Heute kennt man Richard Armstrong als Operndirigenten mit Schwerpunkt auf den Werken Verdis, Wagners, Strauss’ und Janáceks. Armstrong war von 1973 bis 1986 Music Director der Welsh National Opera, dieselbe Position hatte er von 1993 bis 2005 an der...
Befreit. Gundula Janowitz sitzt in einem Stuttgarter Hotel, lächelt, kraus ist das kurze, weiße Haar, das einst, in den Sechzigern, für Promofotos hochtoupiert war. «Befreit», das Strauss-Lied hat sie oft gesungen bei ihren Liederabenden. Nun ist das Vergangenheit: 1990 hat sie ihre Opernkarriere beendet, 15 Jahre noch Liederabende gegeben. Heute sind Jurys Gundula...
