Ausgehaltenes Zögern an der Schwelle zwischen Klang und Sinn
Was Musik ist? Gute Frage. Nicht wenige Philosophen und Komponisten haben sie sich gestellt. Gabriel Fauré etwa tat dies, während er am zweiten Satz seines Quintetts feilte und nach jenem «unersetzbaren Punkt», nach der höchst unwirklichen Schimäre, suchte, die uns «über das, was ist» erhebt. Vladimir Jankélévitch nahm Faurés Introspektion zum Anlass, sich einmal grundlegend mit dem Phänomen zu beschäftigen.
Und kam (in seinem gedankenreichen Buch «Die Musik und das Unaussprechliche») zu dem Ergebnis, Musik sei im Grunde eine Contradictio in subjecto – «zugleich ausdrucksvoll und ausdruckslos, ernsthaft und leichtfertig, tiefgründig und oberflächlich». Wichtiger aber noch: Musik sei ein Zauber. «Da sie aus nichts gemacht ist und auf nichts beharrt, ist sie sogar vielleicht nichts, wenigstens für den, der erwartet, etwas zu finden oder eine Sache anzufassen; wie eine regenbogenfarbige Seifenblase, die ein paar Sekunden in der Sonne bebt und glänzt, platzt sie, sobald man sie berührt; sie existiert nur im sehr unsicheren und flüchtigen Überschwang einer günstigen Minute.» Ergründen, so Jankélévitch, könne man Musik ebenso wenig wie das Mysterium der Schöpfung, «jenes Mysterium, von ...
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Opernwelt Jahrbuch 2024
Rubrik: Bilanz des Jahres, Seite 72
von Jan Verheyen
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