Zweite Ebene gesucht
Herr Morell, sehen Sie Bildregie eher als dienende oder als gestaltende Funktion?
Ich bin arrogant genug, es für eine gestaltende Funktion zu halten. Der Wunsch nach der Lenkung des Zuschauers ist tatsächlich eine Triebfeder.
Wie entscheiden Sie bei der Oper oder im Schauspiel, wohin Sie den Blick des Zuschauers lenken?
Filmisch gesprochen, zoomt im Theater jeder Zuschauer für sich Details ran, obwohl er faktisch immer nur die Totale sieht.
Im Prinzip mache ich nichts anderes und entscheide subjektiv, was ich selbst gerade am liebsten sehen möchte. Aber eine Produktion wird dabei natürlich filmischer, wenn es gut läuft. Man muss eine ästhetische Form finden, die die Essenz der Produktion übersetzt, aber dennoch ganz anders ist. Das geht manchmal daneben, auch bei mir.
Können Sie formulieren, wie dieser Übersetzungsprozess funktioniert?
Ich habe die Möglichkeit zu Bildern, die es im Original gar nicht geben kann. Eine meiner persönlichen Lieblingsaufzeichnungen ist die von Tschechows «Onkel Wanja» 2013 am Schauspiel Stuttgart. In der Inszenierung von Robert Borgmann kam am Schluss ein riesiges Rad runter. Ich habe von Beginn an mit der Kamera von oben durch die Speichen ...
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Opernwelt Juli 2020
Rubrik: Focus Spezial, Seite 10
von Michael Stallknecht
Corona – Virus – Kontaktverbote: Es scheint auf der Welt kein anderes Problem zu geben! ZDF-Heute, ARD-Tagesschau (in der Regel 19 von 20 Minuten), die Tages- und Wochenzeitungen: kaum eine andere Nachricht hat noch Platz. Die Heuschrecken in Afrika, die Probleme in den Lagern der Flüchtlinge, das Ende der richterlichen Unabhängigkeit in Polen: alles ins Nebenfach...
«Otello» ist der Gipfelpunkt des romantischen italienischen Melodrammas und zugleich ein Meilenstein in der Entwicklung des dramatischen Tenors, vor allem aber eine Partie, deren stimmliches Profil alles übertrifft, was Verdi bis dahin von seinen Sängern verlangt hatte. Schallkraft und baritonales Timbre, strahlende Höhe und heldisches Pathos sind unerlässliche...
Herr Beczała, stehen Sie gerade vor einem Fachwechsel?
Wechsel ist das falsche Wort, eher Erweiterung. Das passiert in meiner Karriere allerdings schon seit geraumer Zeit. Der Lohengrin etwa passt in dieses Muster. Auch «Un ballo in maschera» ist eine klare Vorbereitung für die nächsten Schritte. Und demnächst der Radames in «Aida».
Laut ihrer Webseite zählen...
