Zweite Ebene gesucht

Großaufnahme oder Totale? Untersicht oder Vogelperspektive? Wenn Kameras aufzeichnen, was sich auf einer Schauspiel-, Tanz-, Konzert- oder Opernbühne abspielt, muss die Bildregie viele Entscheidungen treffen. Dass dabei die Essenz der jeweiligen Vorstellung getroffen wird, ist keineswegs ausgemacht. Ein Gespräch mit dem TV-, Film- und Theaterregisseur Andreas Morel

Opernwelt - Logo

Herr Morell, sehen Sie Bildregie eher als dienende oder als gestaltende Funktion?

Ich bin arrogant genug, es für eine gestaltende Funktion zu halten. Der Wunsch nach der Lenkung des Zuschauers ist tatsächlich eine Triebfeder.

 

Wie entscheiden Sie bei der Oper oder im Schauspiel, wohin Sie den Blick des Zuschauers lenken?

Filmisch gesprochen, zoomt im Theater jeder Zuschauer für sich Details ran, obwohl er faktisch immer nur die Totale sieht.

Im Prinzip mache ich nichts anderes und entscheide subjektiv, was ich selbst gerade am liebsten sehen möchte. Aber eine Produktion wird dabei natürlich filmischer, wenn es gut läuft. Man muss eine ästhetische Form finden, die die Essenz der Produktion übersetzt, aber dennoch ganz anders ist. Das geht manchmal daneben, auch bei mir.

 

Können Sie formulieren, wie dieser Übersetzungsprozess funktioniert?

Ich habe die Möglichkeit zu Bildern, die es im Original gar nicht geben kann. Eine meiner persönlichen Lieblingsaufzeichnungen ist die von Tschechows «Onkel Wanja» 2013 am Schauspiel Stuttgart. In der Inszenierung von Robert Borgmann kam am Schluss ein riesiges Rad runter. Ich habe von Beginn an mit der Kamera von oben durch die Speichen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2020
Rubrik: Focus Spezial, Seite 10
von Michael Stallknecht

Weitere Beiträge
Stütze des Met-Ensembles

Am 3. Mai verstarb in New York die Mezzosopranistin Rosalind Elias im Alter von 90 Jahren. Die Amerikanerin libanesischer Herkunft erhielt ihre Ausbildung in Boston, Tanglewood und Rom. Obwohl sie international erfolgreich war und in vielen Schallplattenproduktionen mitwirkte, bleibt ihr Name vor allem eng mit der Geschichte der Metropolitan Opera verbunden. 54...

Impressum Juli 2020

61. Jahrgang, Nr 7
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN     0030-3690
Best.-Nr.     752335

REDAKTION OPERNWELT
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55

Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de

REDAKTION
Jürgen Otten (V. i. S. d. P.)
Albrecht Thiemann

REDAKTIONSBÜRO
Andrea Kaiser | redak...

Maskenball

Der Kampf mit einem «unsichtbaren Feind» (so formulierte unter anderem Angela Merkel) bringt uns alle in Lebenssituationen, die gleichermaßen ungewohnt wie ungemütlich sind. Und so fremdeln wir alle – mehr oder weniger elegant, mehr oder weniger gekonnt – mit dem, was neuerdings in der (Post-)Corona-Realität «normal» ist. Sichtbares Accessoire dieses Kampfes,...