Aus der Truhe des Vergessens

Wiederentdeckt: Mascagnis «Pinotta» und Gaetano Luporinis «Nora»

Opernwelt - Logo

Einhundert Jahre schlief Dornröschen, die Prinzessin. Immerhin auf etwa die Hälfte brachte es Pinotta, die Waise. Doch nicht ein Prinz küsste sie wach, sondern ihr geistiger Vater – Pietro Mascagni, der Komponist dieses idillio in due atti über die Liebe dieser elternlosen Spinnereiarbeiterin zu ihrem Arbeitskollegen Baldo. 1880 hatte der damals 17-Jährige die Cantata «In filanda» («In der Spinnerei») geschrieben; sie wurde 1881 erfolgreich in Livorno uraufgeführt.

Mit einer revidierten Version wollte er sich zwei Jahre danach auch an einem Wettbewerb des Mailänder Konservatoriums beteiligen, doch wurde die Revision nicht rechtzeitig fertig, die Oper landete in der Ablage. Fünf Jahrzehnte später fiel dem Komponisten das Spinnereistück wieder ein; er unterzog es einer gründlichen Runderneuerung und der Reifung von der Kantate zur Oper und dirigierte die Uraufführung 1932 in San Remo selbst. Trotz einer theatralisch völlig konfliktfreien Handlung (die beiden Liebenden sind von Anfang an füreinander bestimmt und vereinigen sich folgerichtig am Ende) wurde die Aufführung ein Erfolg, dies auch aufgrund von Mascagnis mittlerweile enormer Bedeutung in Italien, in Sonderheit als Schöpfer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 34
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Tolle Tage

Erlösung dem Erlöser», auch das hätten die letzten Worte sein können, herabwehend aus irgendeiner Beleuchterbrücke des Nürnberger Opernhauses. Nun beschließt aber «Corriam tutti a festeggiar» die Amtszeit von Joana Mallwitz. «Le nozze di Figaro» also statt «Parsifal», der den großen Corona-Verschiebungen des fränkischen Spielplans zum Opfer gefallen ist. Genau...

Flüstern und Schreien

Heitere Gefühle bei der Ankunft auf dem Lande keimen in diesem Ambiente nicht einmal ansatzweise auf. Der (fraglos unfruchtbare, ja massiv umweltverschmutzte) Schlamm auf dem Bühnenboden des Grand Théâtre de Genève ist sogar so tief, dass das Regieteam einschließlich des Dirigenten zum Schlussapplaus in Gummistiefeln erscheint, um die eigene Premierenrobe nicht zu...

Der Nihilist und sein Narr

Sein oder Nichtsein, das ist hier zunächst nicht die Frage. Jedenfalls nicht die allesentscheidende. Man muss schon etwas (und aufmerksam) weiterlesen in Hamlets berühmtem, meist unzulässig verkürzt verstandenen Monolog zu Beginn des zweiten Aufzugs von Shakespeares Drama, um wirklich zu verstehen, was den Dänenprinzen umtreibt, was ihn quält, was ihn zum...