Aus der Mottenkiste

Bellini: Norma
HAMBURG | STAATSOPER

Opernwelt - Logo

Ziemlich fies sind diese Nonnen zueinander, zumal dann, wenn eine von ihnen es wagt, eine Ahnung der eigenen Körperlichkeit, womöglich gar unerlaubte Gelüste des Eros zu entwickeln. Das Keuschheitsgelübde aufzuweichen, zieht härteste Strafen nach sich. Das scheinbar so menschenfreundliche Matriarchat braucht Macht so sehr zum Überleben wie das Pendant des Patriarchats. Die Vorzüge des Mutterrechts vor der bekanntermaßen brutalen Männerherrschaft sind nur mehr relativ.

Ein Idyll der Naturreligion, in dem die Oberpriesterin verzückt der Mondgöttin huldigt und ihre Druiden friedlich froh im Einklang mit den ewigen Gesetzen leben, ist der Wald mitnichten. Norma muss ihre «Casta Diva»-Cavatina in einem Container anstimmen. Kriegsgefahr lauert allerorten – nicht nur im Kampf gegen die verhassten Römer, deren Vertreter schon mal mit einem Kanister Öl übergossen, angezündet und ins Jenseits befördert werden. Auch innerhalb des gallischen Dorfes kriselt es gewaltig. Papa Oroveso übt ordentlich Druck auf Tochter Norma aus, nun endlich zum Angriff gegen die Besatzer zu blasen. Martialisch – und an der Hamburgischen Staatsoper zu Recht ohne die von Vincenzo Bellini für die Mailänder ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2020
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Peter Krause

Weitere Beiträge
Was kommt... Mai 2020

Theaterdämmerung in Paris
Die Opéra national mit den Spielstätten Palais Garnier und Bastille (Foto) steuert nach Streiks und wegen des Corona-Lockdowns auf ein gewaltiges Defizit zu. Andere Musiktheater, Schauspiel- und Tanzbühnen in der französischen Metropole befürchten, die Krise womöglich nicht zu überleben. Eine Reportage

Kate Lindsey
Männer kann sie...

Vom Drama entblößt

Das innere Glück war nicht unbedingt Untermieter in Beethovens Psyche; auch sein Liedwerk bestätigt, dass in seiner Musik häufig Dämonen umgehen. So bergen schon seine frühen Lieder manch Ungemach. Die Texte – vor allem von Goethe – wählte er wohl daraufhin aus; oft ist die Rede von Liebesklage, kaum zu erfüllender Sehnsucht, vom Tod.    

Abgesehen von solch...

Das große Zittern

Ein Virus raubt der Welt den Atem, nimmt auch der Kunst den Lebensraum. Schon am 12. März, noch bevor in Österreich rigorose Ausgangsbeschränkungen in Kraft traten, verkündeten die Osterfestspiele Salzburg und die Spitzen der Landes- und Stadtpolitik die Absage des Festivals für 2020. Erstmals seit 1967 wurden zehn Festspieltage ersatzlos gestrichen. Kein neuer...