Aus der Mottenkiste
Ziemlich fies sind diese Nonnen zueinander, zumal dann, wenn eine von ihnen es wagt, eine Ahnung der eigenen Körperlichkeit, womöglich gar unerlaubte Gelüste des Eros zu entwickeln. Das Keuschheitsgelübde aufzuweichen, zieht härteste Strafen nach sich. Das scheinbar so menschenfreundliche Matriarchat braucht Macht so sehr zum Überleben wie das Pendant des Patriarchats. Die Vorzüge des Mutterrechts vor der bekanntermaßen brutalen Männerherrschaft sind nur mehr relativ.
Ein Idyll der Naturreligion, in dem die Oberpriesterin verzückt der Mondgöttin huldigt und ihre Druiden friedlich froh im Einklang mit den ewigen Gesetzen leben, ist der Wald mitnichten. Norma muss ihre «Casta Diva»-Cavatina in einem Container anstimmen. Kriegsgefahr lauert allerorten – nicht nur im Kampf gegen die verhassten Römer, deren Vertreter schon mal mit einem Kanister Öl übergossen, angezündet und ins Jenseits befördert werden. Auch innerhalb des gallischen Dorfes kriselt es gewaltig. Papa Oroveso übt ordentlich Druck auf Tochter Norma aus, nun endlich zum Angriff gegen die Besatzer zu blasen. Martialisch – und an der Hamburgischen Staatsoper zu Recht ohne die von Vincenzo Bellini für die Mailänder ...
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Opernwelt Mai 2020
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Peter Krause
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Zeit ist aus den Fugen. Wir hätten nie gedacht, dass unsere Städte und Länder den Shutdown erleben, dass Theater schließen, Opern nicht mehr spielen, Tänzer nicht mehr tanzen; jedenfalls nicht mehr öffentlich auf der Bühne, sondern bestenfalls im Streaming.
Menschenleben stehen «zur Disposition», wenn nicht mehr allen...
Ein Virus raubt der Welt den Atem, nimmt auch der Kunst den Lebensraum. Schon am 12. März, noch bevor in Österreich rigorose Ausgangsbeschränkungen in Kraft traten, verkündeten die Osterfestspiele Salzburg und die Spitzen der Landes- und Stadtpolitik die Absage des Festivals für 2020. Erstmals seit 1967 wurden zehn Festspieltage ersatzlos gestrichen. Kein neuer...
Der Sensationserfolg von Pietro Mascagnis «Cavalleria rusticana» (1890) löste auf der Opernbühne eine Verismo-Welle aus, die geradezu groteske Züge annahm, weil sich vor allem drittklassige (und nicht nur italienische) Komponisten an den neuen Trend anzuhängen versuchten. Die meisten dieser Nachahmungen sind, wohl zu Recht, heute vergessen. Einzig Ruggero...
