Aus dem Zeitgeist

Kassel/Kiel: Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg

Opernwelt - Logo

Der Kunst gilt’s – aber einer neuen, jungen Kunst. Freiheit und Aufbruch heißen die Schlagwörter. Reglementierte Traditionen haben ausgedient. Und diese Traditionen machen diejenigen, die an ihnen festhalten, zu einsamen Menschen, die schließlich an ihren eigenen Prinzipien (ver)zweifeln. So könnte der Tenor der aktuellen Neuproduktionen der «Meistersinger» in Kassel und Kiel lauten. Es ist interessant zu beobachten, wie dicht zwei Regiekonzepte beieinander liegen können, wenn die Regisseure aus dem gleichen Stall kommen.

Lorenzo Fioroni (Kassel) und Roman Hovenbitzer (Kiel) sind nicht nur beide Jahrgang 1972; sie haben bei Götz Friedrich in Hamburg studiert und sich nun erstmals des Stücks angenommen. Es gibt Details, die verblüffend übereinstimmen. Die Verwendung von Tonbandgeräten zur Aufnahme von Walthers Probegesang im ersten Akt gehört dazu, oder das unbeholfene Hantieren Beckmessers mit einem Notenständer (kurz vor seinem Ständchen im zweiten Akt). Oder die Isolierung von Hans Sachs am Ende des dritten Akts, die ihn als vereinsamte Figur zwischen den Fronten künstlerischen Reaktionismus’ und Fortschritts zeigt. Zwei Schüler desselben Lehrers haben da offensichtlich aus einem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2010
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Christian Schütte

Vergriffen
Weitere Beiträge
Groteske auf Umwegen

Der Weg von Prokofjews erster großer Oper «Der Spieler» verlief alles andere als geradlinig. Der Komponist schrieb sie während der Kriegsjahre 1915-1917 auf ein selbst verfasstes Libretto nach Dostojewskis gleichnamigem Roman von 1866, war ihm doch eine Uraufführung am St. Petersburger Mariinsky Theater in Aussicht gestellt worden. Der Ausbruch der...

Das Kreuz mit der puritanischen Tradition

Die «Vereinigten Staaten» existierten offiziell noch gar nicht, da verstand sich Neu-Englands Metropole Boston schon als Kulturhauptstadt. Nicht nur schlossen sich zahlreiche lokale Universitäten der dortigen, 1636 gegründeten Harvard University an; die Stadt brachte überdies eine genuin amerikanische Literatur und Philosophie hervor und begründete die...

TV-Klassiktipps

ARTE
1.4. – 6.00 Uhr (Teil 1)
2.4. – 6.00 Uhr (Teil 2)
Der Kammerchor Accentus.
Musikalische Leitung: Laurence Equilbey. Transkriptionen von Werken von Mahler, Ravel, Schubert und Barber; Debussy, Ravel, Mahler, Prokofjew und Vivaldi.

3.4. – 8.00 Uhr (Teil 17)
Little Amadeus.
Zeichentrickserie über die Abenteuer des jungen Mozart. 17. Keine Angst vor Pocken.

4.4. – 10.10...