Vogelschau, Panorama, Nahaufnahme
Die immer wieder mal aufflackernde Debatte über Sinn oder Unsinn der Literaturoper im Zeitalter der (Post-)Moderne ist oft ein Streit um des Kaisers Bart. Denn wenn ein Auftrag für die Bühne winkt, orientieren sich die meisten Komponisten nach wie vor an dem, was die Dichtung spricht. Geschichten aus der Bibel, antike Mythen, Shakespeare, Kleist oder Puschkin befeuern die musiktheatralische Fantasie offenbar stärker als die Schwarmintelligenz unserer digital entzauberten Gegenwart.
Die einen bedienen sich dabei direkt beim Kanon, andere versichern sich der Librettodienste (mehr oder minder) opernaffiner Schriftsteller oder schreiben – wie weiland Wagner – den Text zur Musik gleich selbst. Kurzum: Alle Zweifel an Potenzial und Relevanz der Gattung werden regelmäßig von der Realität übertönt, kein Jahr vergeht ohne einschlägige Neuschöpfungen.
Im Fall des britischen Komponisten Michael Berkeley und seiner 2008 uraufgeführten Kammeroper «For You» liegen die Gründe für diese Konstellation auf der Hand: Berkeley ist eng mit dem Schriftsteller Ian McEwan befreundet, schon vor knapp drei Jahrzehnten traten die beiden mit einem Antikriegsoratorium («Or shall We Die?») hervor. Derzeit ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Medien/CDs und DVDs, Seite 26
von Albrecht Thiemann
«Trau keinem über dreißig!», war die Devise der Achtundsechziger. Die aufbegehrenden Studenten wussten, welch reaktionäre Seilschaften hinter den Kulissen manch altehrwürdiger Institutionen immer noch ihr Unwesen trieben. Die Verfehlungen der Vergangenheit sollten aufgedeckt werden, ebenso deren Weiterwirken; es galt, die Fassaden der Macht zu brechen. Dass die...
Vor vier Jahren war Katalonien Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Im Rahmenprogramm hatte das Darmstädter Staatstheater vier Werke katalanischer Komponisten im Angebot, eines davon die mit vier Instrumentalisten und drei Sängern besetzte Kammeroper «La Cuzzoni» aus der Feder von Agustí Charles. Seinem erfolgreichen Musiktheaterdebüt sollte nun eine große Oper...
«Schäm’ dich!» – ein Zuschauer konnte sich nicht zurückhalten, als der römische Bürgermeister Gianni Alemanno vor der «Nabucco»-Premiere auf die Bühne des Teatro dell’Opera trat, um die gravierenden Subventionskürzungen im italienischen Kulturhaushalt anzuprangern, beschlossen von jener Regierung Berlusconi, die Kultur als etwas potenziell «Linkes» und damit...
