Vogelschau, Panorama, Nahaufnahme
Die immer wieder mal aufflackernde Debatte über Sinn oder Unsinn der Literaturoper im Zeitalter der (Post-)Moderne ist oft ein Streit um des Kaisers Bart. Denn wenn ein Auftrag für die Bühne winkt, orientieren sich die meisten Komponisten nach wie vor an dem, was die Dichtung spricht. Geschichten aus der Bibel, antike Mythen, Shakespeare, Kleist oder Puschkin befeuern die musiktheatralische Fantasie offenbar stärker als die Schwarmintelligenz unserer digital entzauberten Gegenwart.
Die einen bedienen sich dabei direkt beim Kanon, andere versichern sich der Librettodienste (mehr oder minder) opernaffiner Schriftsteller oder schreiben – wie weiland Wagner – den Text zur Musik gleich selbst. Kurzum: Alle Zweifel an Potenzial und Relevanz der Gattung werden regelmäßig von der Realität übertönt, kein Jahr vergeht ohne einschlägige Neuschöpfungen.
Im Fall des britischen Komponisten Michael Berkeley und seiner 2008 uraufgeführten Kammeroper «For You» liegen die Gründe für diese Konstellation auf der Hand: Berkeley ist eng mit dem Schriftsteller Ian McEwan befreundet, schon vor knapp drei Jahrzehnten traten die beiden mit einem Antikriegsoratorium («Or shall We Die?») hervor. Derzeit ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Medien/CDs und DVDs, Seite 26
von Albrecht Thiemann
Von Stockholm sind es noch mal 500 Kilometer Luftlinie nach Norden. Umeå, die Hauptstadt der schwedischen Provinz Västerbotten, liegt zwischen dem 63. und 64. Breitengrad, auf einer Höhe etwa mit Reykjavik. Wer hier morgens mit dem Auto losfährt, ist mittags am Polarkreis. Für 2014 wurde Umeå zur Kulturhauptstadt Europas gewählt (zusammen mit Riga). Deshalb werden...
Karol Szymanowskis Oper «Król Roger» (1926) ist ein extrem vielschichtiges Werk: Die drei Akte spiegeln die Symbiose byzantinischer, arabischer und griechisch-antiker Elemente im Sizilien König Rogers II. (1. Hälfte 12. Jh.). Die Handlung (sofern man bei dem oratorienhaft statischen Stück von Handlung sprechen kann) folgt den «Bakchen» des Euripides, der Antagonist...
Vivi, tiranno: Bertarido hat gerade das Leben des Usurpators Grimoaldo gerettet, dennoch erwartet er den Tod. Seinen Zorn entlädt er in heftigen Wutaffekten und Koloraturkaskaden. Darin lässt Bejun Mehta, zur Zeit quasi der «King» der Counters, sich nicht lumpen: Kristallklar und gestochen kommen sie, technisch makellos gebändigt trotz aller Intensität. Freilich,...
