Aufguss, Abguss

Paris: Opéra Bastille: Wagner: Das Rheingold

Opernwelt - Logo

Günter Krämer und Gerd Albrecht brachten in den neunziger Jahren einen «Ring» in Hamburg heraus. Andreas Reinhardt, langjähriger Kombattant, hatte damals die kühlen (und mit Elementen der Industriekultur prunkenden) Bilder entworfen: großzügig, modern, solide.

Nun ergriff Krämer die Chance zu einer neuerlichen Auseinandersetzung mit einem der Hauptwerke des 19. Jahrhunderts. Er inszeniert für die Riesenbühne der Opéra Bastille in Paris (und für das kulturkonservative Konzept des neuen Intendanten Nicolas Joël). Das Ausstattungs-Team hat gewechselt.

Jürgen Bäckmann ist für die Bühnenarchitektur zu Diensten, Falk Bauer für die Kostüme. Nicht geändert aber wurde die Grunddisposition. Nur, dass sich die Anleihen bei Industrie-Design und die Kleidung nach knapp zwei Jahrzehnten etwas verschoben haben. Am Ende kommt Krämer dem Pariser Publikum besonders entgegen, wenn die Götter Kriegshelme mit Adlerflügeln aufsetzen und die altdeutschen Buchstaben des Wortes «Germania» in die Totengedenkstätte Walhall hinaufgetragen werden.

Philippe Jordans Handschrift tendiert nicht zu kolossal-flächigen Effekten. Der Musikchef des Hauses fordert dem glänzend disponierten Orchester alle erdenkliche ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2010
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Frieder Reininghaus

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Es ist noch viel zu tun»

Herr Fischer-Dieskau, vor nicht allzu langer Zeit habe ich ein Interview mit Ihnen gelesen, das einen resignativen Grundton hatte: Sie stellten darin vieles in Frage, auch den Sinn Ihres künstlerischen Schaffens. Ich war etwas erschrocken und dachte: Hat er das wirklich gemeint, oder hat man es ihm in den Mund gelegt?
Nein, das war so gemeint, und ich stehe auch...

Plurale Identitäten

Bescheiden war Felix Weingartner, Edler von Münzberg, kaum – auch wenn er das «von» und damit den Hinweis auf seine adelige Herkunft schon bald aus dem Namen strich. Geboren wurde er 1863 in Dalmatien, rechnete sich zur stolzen k. u. k.-Elite. Er beschäftigte zeitlebens Dienstpersonal, fühlte sich, während das Kaiserreich gerade im Ersten Weltkrieg zerbrach, am...

Schlagzeuggewitter

Iannis Xenakis muss gespürt haben, dass seine «Oresteia» mehr geworden war als eine bloße Schauspielmusik: Als er seine zwanzig Jahre zuvor für Chor und perkussiv dominiertes Instrumentalensemble entstandene Komposition 1987 für die erste szenische Aufführung überarbeitete (und ziemlich drastisch einkürzte), schob er das Werk durch eine groß angelegte Soloszene...