Aufführungen des Jahres 2024
In einer Welt, die sich zunehmend und vor allem zunehmend rasant verändert, fällt auch der Kunst eine andere Rolle zu: Sie kann und muss auf all die Kriege, Krisen und (klimabedingten) Katastrophen direkt und schneller reagieren. Ihre wesentliche Aufgabe besteht darin, dass sie der Macht der beschleunigten Bilder, die durch die fortschreitende Digitalisierung den gesamten Globus überfluten, eine «Macht der theatralen Bilder» entgegenzusetzen vermag. Darin liegt zwar die Gefahr einer Reizüberflutung, zugleich aber auch die Chance des (Musik-)Theaters.
Beleg sind jene fünf Neuproduktionen, die sich den Titel «Aufführung des Jahres» teilen und auf individuelle Weise heikle Themen behandelten. Eines eint sie: der Mut zur visuellen, dialektisch getünchten Drastik. «Moses und Aron» in Bonn, «Pique Dame» in Lyon, «Die Passagierin» in München, «Tannhäuser» in Frankfurt und «The Greek Passion» bei den Salzburger Festspielen 2023 – in all diesen Regiearbeiten wird ein ästhetischpolitischer Wille erkennbar, der die behandelten Themen couragiert beim Schopfe packt und sie kräftig durchschüttelt. Das ist gewiss nicht einfach für ein Publikum, das wohl in erster Linie nach Amüsement trachtet, ...
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Opernwelt Jahrbuch 2024
Rubrik: Aufführungen des Jahres, Seite 48
von
Es ereignete sich im Frühjahr 2024 auf der Strasbourger Opernbühne. Richard Wagners romantisches Wunder brach ein in die historisch-nationalistische Kulisse, die sich der Bühenbildner Romain Fabre ausgedacht hatte – in klarstem A-Dur, vor allem aber mit einer stimmlichen Verve, wie man sie an dieser Stelle nur selten vernehmen darf. Schon das «Nun sei bedankt, mein...
65. JAHRGANG, JAHRBUCH 2024
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Der Theaterverlag – Friedrich Berlin GmbH ISSN 0030-3690
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REDAKTION
Jürgen Otten (V. i. S. d. P.), Clemens Haustein
REDAKTIONSBÜRO
Irene Naujoks | redaktion@opern...
Herr Lang, «Who the fuck is Dora?», lautete der Slogan in ganz Stuttgart. Wie ist es zu «Dora» und der Zusammenarbeit mit Frank Witzel gekommen?
Ich kannte Frank Witzel vorher nicht, er wurde mir von der Staatsoper Stuttgart als Librettist vorgeschlagen. Es gab also zuerst einmal eine Zeit des Kennenlernens und dann des Nachdenkens. Vor allem las ich mich einmal...
