Auf nach Nürnberg!
Was tun mit Gottfried, dem abwesenden, vermeintlich von Elsa getöteten Kind, das am Ende wundersam stumm wieder auftaucht? Ein Fall für Statisten zwischen sechs und 16? Hans Neuenfels ließ diese Erlöserfigur in Bayreuth als Homunkulus auftreten, Yuval Sharon als giftgrünen Plüschanzugmann. In Nürnberg trägt Brabants neuer Führer Minidutt, Fellkragen, löchrige Hose, Netzhemd, alles in Schwarz. Man kennt ihn gut: Es ist Friedrich von Telramund, auferstanden von den Toten, um zum bedrohlichen A-Dur-Crescendo auf dem Eichenthron Platz zu nehmen.
Ein letztes Mal greift da Lohengrins Papa in die Handlung ein, weil dem Sohn die erste Reise im Dienste des Grals zur mission impossible wird. Parzival ist stumm und ständig präsent in dieser Aufführung, ebenso wie Widersacher Wotan. Zum Brautchor darf der auf leerer Bühne ein Riesenschwein verspeisen und sich in die Besinnungslosigkeit saufen. Wer «Game of Thrones» und sonstige Fantasy-Abenteuer kennt, ist bei Regisseur David Hermann, Ausstatter Jo Schramm und der wunderbaren Kostümbildnerin Katharina Tasch in besten Händen. Doch wer glaubt, das Team nutze die Ästhetik wie viele andere nur, um dem Stück die Luft herauszulassen, Pathos mit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Markus Thiel
Bald sind es vier Jahrzehnte. So lange wird Carola Fischer dann als Solistin auf der Bühne des Staatstheaters Cottbus gestanden haben. Aber was heißt hier: gestanden? Fast alle für ihren Mezzosopran geeigneten Rollen hat die gebürtige Berlinerin an dem Haus gesungen, von den leichten bis zu den schweren Fächern, von Mozarts quirligem Cherubino bis zu Wagners...
Gebratzte Posaunentöne fallen über die Trompeten her. Straucheln, weichen zurück, formieren sich neu. Ein Tenor ruft zum Gegenangriff: Stählerne Fanfaren schießen aus neun Trichtern, am Himmel kreisen Elektroklänge, zwischen den Fronten die Hörer. Vor, hinter und neben ihnen rennen und stolpern behelmte Instrumentalisten vorüber, Stühle erzittern unter...
Nebel lastet auf Cornwall, tiefe Trübsal, auswegloser Schmerz. Schwer atmet die Musik, beinahe so, als wäre sie zu Eis erstarrt, als gäbe es kein Morgen mehr. Doch kein Orchester spiegelt, in den uns bekannten, chromatischen Seufzern, diese Tristesse, sondern ein Klavier. Und deswegen ist es eben auch nicht jener irische Küstenort, an dem, tödlich verwundet,...
