Auf Gottes Spuren
Die Tränen Sofias sind anders. Irgendwie weicher, samtiger. Dass sie aber so reichlich vom Himmel herabkullern, überrascht selbst Einheimische. Frühling sollte es sein, wenn Gäste aus aller Damen und Herren Länder in die bulgarische Kapitale kommen, aus Kanada und Österreich, Schweden und den USA, aus Litauen und Lettland, um sich im schmucken Opernhaus drei Tage lang mit der europäischen Idee zu befassen. Mit dem, was in Zukunft edel, hilfreich und gut sein könnte für eine Kunstform, die sich zunehmend der Realität in einer digital beschleunigten Welt zu stellen hat.
Was tun? Ganz einfach, sagt Nicholas Paine, «Opera Europa»-Boss, in seiner humorgesprenkelten, gleichwohl tiefernst gemeinten Eröffnungsrede: Man möge Giuseppe Verdis Credo folgen und immer wieder eine neue Welt kreieren; auf der Bühne, hinter den Kulissen. Oper verstanden nicht nur als ästhetisches Leitmedium, sondern als Ideengeberin für eine (neue) europäische Identität. Darin wollte dem smarten Briten auch Lilyana Pavlova, Ministerin für die bulgarische EU-Ratspräsidentschaft, nicht nachstehen. Diversität in Kunst und Kultur, so ihre mit Aplomb vorgetragene Überzeugung, sei die Voraussetzung für politische und ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Magazin, Seite 86
von Jürgen Otten
Während Tonios Prolog wird hektisch das Bühnenbild aufgebaut. Serena Sinigaglia, die nördlich der Alpen noch wenig bekannte Regisseurin aus Mailand, fügt Leoncavallos «meta-theatralem» Geniestreich eine zusätzliche Brechung hinzu. Wenn Tonio Theater als Theater ankündigt, bevor das Melodram dann doch in das «wahre» Leben, genauer: das «wahre» Morden umkippen wird,...
JUBILARE
Am 17. Mai wäre sie 100 Jahre alt geworden. Klar, dass Birgit Nilsson, der Jahrhundertstimme aus dem hohen Norden, aus diesem Anlass vielfältig gehuldigt wird. Decca und Deutsche Grammophon bringen in einer Box (79 CDs, 2 DVDs) ihr klingendes Nilsson-Archiv auf den Markt; der Wiener Verlag für moderne Kunst verlegt eine monumentale Buch-Hommage; ein neuer...
Mondsüchtiger Taumel, laszive Erotik, rasende Obsessionen – schon die betörend schillernde Klarinettenfigur, mit der Strauss die Prinzessin aus Judäa einführt, lässt keinen Zweifel, dass sich etwas zusammenbraut. Im sehrenden Anfang schwingt das tödliche Ende bereits mit. All die Exzesse, Fantasien und Gefühlsexplosionen, die der 1905 in Dresden uraufgeführten...
