Auf ewig verloren
Zu fragmentarisch ist Welt und Leben, / Ich will mich zum deutschen Professor begeben; / Der weiß das Leben zusammenzusetzen, / Und er macht ein verständliches System daraus. / Mit seinen Nachtmützen und Schlafrockfetzen / Stopft er die Lücken des Weltanbaus.» Ohne anklägerisches Pathos hat Heinrich Heine, grimmig ironisch, die große Vergeblichkeit skizziert, vor der alle Sinnsuche vergeht, jeglicher «Überbau» scheitern muss.
Heines Verse indes sprechen nicht nur Weltschmerz und -ekel, den ennui, aus, sie sind auch ästhetischer Einspruch gegen die Klassikerdoktrin vom rundum gelungenen Werk: Alles bleibt Fragment. Und in wenigen Opern wird diese Doppel-Fatalität so deutlich wie in Puschkin-Tschaikowskys «Eugen Onegin». Das Stück ist in letzter Zeit ein wenig hinter «Pique Dame» zurückgetreten. Begegnet man ihm nun nach einiger Zeit wieder, fühlt man sich erneut bewegt, ja attackiert: vorausgesetzt, dass nicht Uralt-Klischees von Birkenwald, Schnitterglück und Festball die «Lyrischen Szenen» obsolet wirken lassen.
Schon die Titelfigur und ihr Umfeld sind nicht so altmodisch wie es scheint. Noch heute gibt es junge Männer aus betuchter Familie, die sich um ihre ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Gerhard R. Koch
Frau du Randt, gibt es überhaupt noch etwas, das Sie noch nicht gesungen haben?
Aber natürlich habe ich noch Wünsche! Die Marschallin zum Beispiel. Überhaupt würde ich gern mehr Strauss singen. Ich kann schon Dramatischeres riskieren, dann aber eben mit den Möglichkeiten meiner Stimme. Ich will sie nicht zu irgendetwas treiben oder jemanden nachahmen.
Wobei es...
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Endlich hat sie es hinter sich. Endlich kann sie wieder jung sein, sich öffnen, fühlen, trauern, triumphieren, ihre Verletzlichkeit spüren. Emilia Makropulos erlebt die Minuten vor ihrem Tod als Befreiung. Mehr als 300 Jahre hat sie gelebt, fluchtartig Identitäten gewechselt, Wiedergänger ertragen, sich durch die Zeiten geschlagen. Nun ist die Zeit abgelaufen....
