Auf die Schwingung kommt es an
Mit Peter Sellars haben die Berliner Philharmoniker in dieser Spielzeit erstmals einen Regisseur als «Artist in Residence» gewählt. Die Einladung markiert die Fortsetzung einer erfolgreichen Zusammenarbeit: Der Amerikaner hat in den letzten Jahren mit dem Orchester bereits die beiden Passionen von Johann Sebastian Bach in Szene gesetzt. Die schwebende Balance, die diese Produktionen in der Philharmonie zwischen Musik, Gesang und angedeutetem Spiel fanden, war beeindruckend. Sellars gelang es, die Übergänge zum Szenischen ganz aus der Konzertsaalsituation heraus glaubhaft zu machen.
Seine Versuche, das rein Konzertante aufzubrechen, entspringen weniger einem kritischen Impuls. Sie zielen vielmehr auf eine Poetisierung des Musikalischen, auf träumerische Abschweifungen des Hörens. Man könnte auch sagen: Er ermöglicht Erfahrungen der Grenzüberschreitung, die auch ein größeres Publikum begeistern können. Für die Philharmoniker, die sich ja als Institution der Zukunft begreifen, dürften die experimentellen Arbeitsprozesse ebenso inspirierend sein wie die Resultate. Im Dezember setzte Sellars an vier Abenden mit halbszenischen Aufführungen von Debussys «Pelléas und Mélisande» starke ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Martin Wilkening
Die Verklärung der Heiligen hat eine lange und wechselhafte Geschichte. Als Ikone der Nation wurde sie in Frankreich nicht nur von Katholiken und Monarchisten, sondern auch von Republikanern und Sozialisten verehrt. Jeder pickte sich heraus, was zur eigenen politischen Agenda passte: Gottesfurcht, Frömmigkeit, Königstreue, Kampfesmut, Volksnähe – an den Mythos der...
Endlich wieder ein Skandal an der Pariser Oper! Es ist erfrischend. Gelacht wird in der Aufführung, gerufen und geheult, so laut, dass der sonst so gelassene Philippe Jordan den Zuschauerraum um Ruhe bitten muss, damit man wenigstens das (von Christophe Grindel betörend schön gespielte) Englischhornsolo hören kann. Seit den Gerard Mortier-Jahren haben wir eine...
Eine Kunstdebatte tobt in Hannover – die «Freischütz»-Inszenierung des Dortmunder Schauspielchefs Kay Voges hat sie ausgelöst. Nach dem Buh- und Bravo-Orkan der Premiere ging es erst richtig los. Der kulturpolitische Sprecher der CDU-Ratsfraktion, Oliver Kiaman, rief den Kulturdezernenten zum Durchgreifen auf: Er solle «bei aller Freiheit der Kunst dafür Sorge...
