Auf der Höhe seiner Zeit

Hasses «Piramo e Tisbe» in einer delikaten Aufnahme mit der Akademie für Alte Musik Berlin und Bernhard Forck

Opernwelt - Logo

Jahrzehntelang galt Johann Adolf Hasse als einer der wichtigsten Komponisten jenes Operntyps, den die Musikgeschichtsschreibung in der Rückschau summarisch Opera seria genannt hat. Hasse war zwar an den Dresdner Hof gebunden, besaß aber Freiheiten, die es ihm erlaubten, attraktive Kompositionsaufträge zahlreicher bedeutender Theater anzunehmen. Seine Opern waren über ganz Europa verbreitet, wurden nach dem Tod des Komponisten aber bis auf einzelne Arien, die als Muster barocker Belcanto-Kunst galten, gründlich vergessen.

Bei der großen Wiederentdeckung der Barockoper in den letzten Jahrzehnten galt das Interesse zunächst anderen Komponisten, Händel und Vivaldi vor allem. Erst allmählich wird auch die Musik Hasses wiederentdeckt.

Daran zu bewundern ist nicht nur der erkleckliche Einfallsreichtum und die Expressivität, sondern auch die erstaunliche Wandelbarkeit dieses Komponisten. Als ein nach den Vorstellungen seiner Zeit bereits greiser Mann komponierte Hasse 1768 mit 69 Jahren ein Werk, das in keinem Takt an die virtuose Formelsprache barocker Musikdramen erinnert, sondern ganz dem Geist jener experimentierfreudigen Epoche entsprungen ist, in der es entstand. Hasse wohnte ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2025
Rubrik: Medien, Seite 30
von Thomas Seedorf

Weitere Beiträge
Bestäubter Erfolg

Diese Uraufführung Ludger Vollmers und seiner Librettistin Jenny Erpenbeck, entstanden nach dem verzweifelt um seinen Fortschrittsoptimismus kämpfenden, schließlich abgebrochenen Roman-Epos Werner Bräunigs und mit beträchtlichem Aufwand als eines der Zentralereignisse des Chemnitzer Kulturhauptstadt-Jahres vorbereitet, war ein großer Erfolg. Da allerdings mancher...

Personalien, Meldungen 11/25

JUBILARE

70 Jahre alt wird der österreichische Komponist Herbert Lauermann, der besonders als Schöpfer von Musiktheaterwerken in Erscheinung getreten ist, zuletzt mit «Coloman der Prozess» (UA 2004), «Die Befreiung» (UA 2001) und «Schwarz-Weiss» (UA 1998). In Wien geboren, lernte er bei Ernst Vogel und Erich Urbanner, nach dem Studium war er zunächst als...

Abgesang

Das Kunstfest Weimar hat sich unter der Leitung von Rolf C. Hemke seit 2019 zu einem gesellschaftspolitischen Seismographen entwickelt. Während des Festivals für zeitgenössische Kunst schlägt das imaginäre Messinstrument angesichts der empathisch durchreflektierten, prozesshaften Programmpunkte drei Wochen lang weit aus. Hemke wird Weimar allerdings aufgrund...