Auf der Höhe seiner Zeit
Jahrzehntelang galt Johann Adolf Hasse als einer der wichtigsten Komponisten jenes Operntyps, den die Musikgeschichtsschreibung in der Rückschau summarisch Opera seria genannt hat. Hasse war zwar an den Dresdner Hof gebunden, besaß aber Freiheiten, die es ihm erlaubten, attraktive Kompositionsaufträge zahlreicher bedeutender Theater anzunehmen. Seine Opern waren über ganz Europa verbreitet, wurden nach dem Tod des Komponisten aber bis auf einzelne Arien, die als Muster barocker Belcanto-Kunst galten, gründlich vergessen.
Bei der großen Wiederentdeckung der Barockoper in den letzten Jahrzehnten galt das Interesse zunächst anderen Komponisten, Händel und Vivaldi vor allem. Erst allmählich wird auch die Musik Hasses wiederentdeckt.
Daran zu bewundern ist nicht nur der erkleckliche Einfallsreichtum und die Expressivität, sondern auch die erstaunliche Wandelbarkeit dieses Komponisten. Als ein nach den Vorstellungen seiner Zeit bereits greiser Mann komponierte Hasse 1768 mit 69 Jahren ein Werk, das in keinem Takt an die virtuose Formelsprache barocker Musikdramen erinnert, sondern ganz dem Geist jener experimentierfreudigen Epoche entsprungen ist, in der es entstand. Hasse wohnte ...
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Opernwelt November 2025
Rubrik: Medien, Seite 30
von Thomas Seedorf
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