Auf den Zahn gefühlt
Die Lösung scheint so naheliegend wie einleuchtend: «Was ist, wenn wir einfach den Zahn wieder in das Loch stecken?» Bis dahin hätte alles nur ein Slapstick-Scherz sein können: Ein kleiner Chinese, von Zahnschmerzen heimgesucht, erhält Hilfe von seinen Küchenkollegen im Asia-Restaurant «Der goldene Drache», die dem Geplagten in gutgemeinter Absicht Linderung verschaffen wollen. Doch sie rücken ihm mit einer Rohrzange zu Leibe, und so verblutet der Patient an der offenen Wunde.
Er stirbt fernab der Heimat in einem Land, das er illegal betreten hat, ohne die verschollene Schwester, die ihm vorausgegangen war, jemals getroffen zu haben.
Peter Eötvös’ «Der goldene Drache», nach dem gleichnamigen Theaterstück von Roland Schimmelpfennig, ist nur zu Beginn eine Alltagsgroteske mit derbkomischen Versatzstücken. Denn das 2014 in Frankfurt uraufgeführte, nun auf der Studiobühne der Semperoper präsentierte «Musiktheater» (so die Gattungsbezeichnung des Komponisten), greift nicht nur das daueraktuelle Thema illegale Migration auf. Zur Haupthandlung, die das Treiben in den beengten Küchenräumen mit den Plaudereien und Problemen der Restaurantgäste, darunter zwei Stewardessen, kontrastiert, ...
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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Werner Kopfmüller
Manchmal ist weniger mehr. Die Opéra Comique ist nicht die Pariser Nationaloper, Messagers «Fortunio» (1907) nicht «Pelléas et Mélisande», kurz zuvor am gleichen Haus uraufgeführt. Und die Sänger, die auf der Bühne stehen, sind (noch) nicht jene, deren Konterfeis auf den Soloalben der Major-Labels prangen. Doch was für ein durch und durch befriedigender, ja...
Die jüngste Großtat des Palazzetto Bru Zane widmet sich der kleinen Form. Das Centre de musique romantique française ermöglichte dem Bariton Tassis Christoyannis, gemeinsam mit dem Pianisten Jeff Cohen alle 107 Kunstlieder des Komponisten Reynaldo Hahn einzuspielen. Die 4-CD-Box ist optisch aufgemacht wie ein Schmuckkästlein – und enthält tatsächlich jede Menge...
Unsere Wege haben sich leider viel zu spät gekreuzt. Ich war immer voller Bewunderung für seine Arbeit, und auch er fragte mich bei dem ersten Zusammentreffen, warum es so lange gedauert habe. Das war 2016 in München, bei den Proben zu Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk» an der Bayerischen Staatsoper. Da sprang eine spontane Sympathie über, die vielleicht...
