Fordern und gefordert werden
Schon bei seinem Amtsantritt im Januar konnte man es hören: Ungewohnt fein und transparent klang da Richard Strauss’ gigantisch instrumentierte «Elektra»-Partitur, schlank und beweglich präsentierte sich das Orchester. Unverkennbar stand da ein Mann im Graben, der sehr präzise Vorstellungen vom Klang seines Orchesters hatte – und diese auch umzusetzen wusste. Dieser Eindruck bestätigte sich in der auch überregional viel beachteten Produktion von Karol Szymanowskis «König Roger» und in der aktuellen Neuinszenierung von Wagners «Tannhäuser».
Auch hier findet Blunier einen ganz eigenen, aber sehr plausiblen Ansatz. Er versucht nicht, die Disparitäten der Dresdner und der Pariser Fassung abzumildern. Im Gegenteil: Er betont sie, indem er die schillernde Harmonik und die rauschhafte Farbigkeit der nachkomponierten Passagen breit und klangsinnlich entfaltet, während er andererseits die aus der Dresdner Urfassung stammenden Teile knapp, präzise und durchsichtig musizieren lässt – die frühe deutsche Romantik, Weber, Marschner, klingen deutlich durch. «So, wie Wagner das Stück hinterlassen hat», sagt der Dirigent, «hat es nun einmal seine Brüche und Widersprüche, und darin liegt auch eine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das Moskauer Bolschoi Theater gilt westlichen Besuchern als Opernmuseum schlechthin, und es hat sich bis vor Kurzem auch selbst so definiert. Ein schönes Beispiel bietet die Inszenierung des «Eugen Onegin» von 1944, die mehr als sechs Jahrzehnte auf dem Spielplan des Hauses stand und im Jahr 2000 von dem unlängst verstorbenen Regisseur Boris Pokrovsky noch einmal...
Man glaubt es kaum, aber es muss wohl stimmen: Nikolaus Harnoncourt wird 80. Wenn man ihn in den letzten Jahren mit seinem 1953 gegründeten Concentus Musicus erlebte, sah man einige Weggefährten an den Pulten sitzen, denen Alter und Erfahrung ins Gesicht geschrieben standen. Aber er selbst wirkte alterslos, zupackend, nach wie vor bis in die Haarwurzel von...
Wieder wurde ein «Opernwelt»-Mitarbeiter mit der Gottlob-Frick-Medaille in Gold ausgezeichnet. Ekkehard Pluta erhielt sie beim diesjährigen Künstlertreffen der Gottlob-Frick-Gesellschaft in Ölbronn-Dürrn. Sie soll an den berühmten Bassisten der fünfziger und sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts erinnern und geht einmal im Jahr an eine Persönlichkeit, die sich...
