Auf dem Hochseil der Affekte
Unter den zahlreichen prominenten Countertenören unserer Zeit spielt Max Emanuel Cencic die Rolle eines Paradiesvogels, der durch sein Interesse an ungewöhnlichen Repertoires ebenso auf sich aufmerksam macht wie durch die Metamorphosen seines äußeren Erscheinungsbilds. Gesanglich gehört er seit vielen Jahren zu den herausragenden Vertretern seines Stimmfachs, und diesen Rang unterstreichen gleich drei jüngst erschienene Aufnahmen, an denen er prominent beteiligt ist.
In der von Diego Fasolis geleiteten Einspielung von Vivaldis «Farnace» ist Cencic in der Titelpartie zu hören. Vivaldi hat mehrere Fassungen des «Farnace» hinterlassen; die hier vorgelegte Version geht auf eine Partitur zurück, die 1738 für Ferrara entstand, aber schon im Vorfeld der ersten Aufführungen von den Verantwortlichen vor Ort zurückgewiesen wurde, mit der Folge, dass der dritte Akt vom Komponisten unausgeführt blieb. In einem ausführlichen Rechenschaftsbericht legen Frédéric Delaméa und Diego Fasolis, der ebenso umsichtig wie lebhaft agierende Dirigent der Aufnahme, dar, warum sie sich dafür entschieden haben, das Werk nicht als Torso aufzunehmen, sondern eine Aufführungsfassung des letzten Akts zu erstellen, ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Medien/CDs, Seite 28
von Thomas Seedorf
Rechtzeitig zum Amtsantritt von Jossi Wieler als Intendant der Oper Stuttgart sind zwei Bücher über den Schweizer Regisseur erschienen. Obwohl reichhaltig illustriert, lebt der von Hajo Kurzenberger herausgegebene Band doch von den Texten. Kurzenberger charakterisiert Wieler gleich eingangs als Teamplayer, als «besonderen Liebhaber der Menschen, mit denen er...
Gleich sein erster Fall, «Venezianisches Finale», führte Commissario Brunetti in die Oper, womit seine Schöpferin Donna Leon sich a priori als Liebhaberin dieses Genres outete. Bei diesem im legendären Fenice angesiedelten Plot ging es freilich um eine Aufführung von Verdis «La traviata», während die Spezialität der Leon eigentlich Händel ist. So kommt sie denn...
Um Carl Orff ist es still geworden – mit Ausnahme des Welterfolgs der «Carmina Burana», und der findet nicht auf dem Theater statt. Blättert man die aktuellen Spielpläne der deutschsprachigen Opernhäuser im Jahrbuch «Oper 2011» dieser Zeitschrift durch, so ist das Ergebnis weitgehend Fehlanzeige. Mit Ausnahme Darmstadts, wo John Dew seit Jahren Orff spielt und...
