Assoziative Reize
Zum Saisonstart herrscht im öffentlichen Leben Amsterdams, obwohl die Touristenmassen der Vor-Pandemie-Zeit (zum Glück) noch nicht zurückgekehrt sind, weitgehend Normalität. Restaurants und Kneipen, Blumenmarkt und die einladenden Plätze der Grachtenstadt sind trotzdem gut gefüllt, während die Kulturinstitutionen sich nach wie vor vergleichsweise strengen Einschränkungen beugen müssen.
In weiser Vorahnung hat Intendantin Sophie de Lint deshalb zum Auftakt der Spielzeit an der Nationale Opera zwei Abende programmiert, die den noch geltenden Abstandsregelungen genügen und ohne Pausen auskommen. Gedacht als Solitäre, waren sie an einem September-Sonntag hintereinander in einer Mittags- und Abendvorstellung zu erleben.
Es beginnt mit Barbora Horákovás szenischer Einrichtung von Joseph Haydns «Missa in tempore belli», auch «Paukenmesse» genannt, die um elektronische Zwischenspiele des Klang- und Medienkünstlers, DJs und Komponisten Janiv Oron ergänzt wird. Das schlank besetzte Nederlands Philharmonisch Orkest unter der Leitung seines neuen Chefdirigenten Lorenzo Viotti, der zugleich auch der neue Chefdirigent der Amsterdamer Nationaloper ist, sitzt auf Abstand im leicht erhöhten ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Regine Müller
Wir stehen wieder im Stau, diesmal auf der A59 mitten durch Duisburg. Seltsam, wie gleißend die Sonne noch im September sein kann. Der Binnenhafen mit seinen Lagerhallen und Fahrkränen liegt unter einer weißen Dunstglocke, hinter uns der Ort der Katastrophe bei der Loveparade von 2010, bei der 21 Menschen starben und Hunderte verletzt wurden, ein tragischer Schnitt...
Kris Defoorts jüngste Oper geht unmittelbar aus dem Singen hervor, zugleich ist Gesang in der Saga einer US-amerikanischen Familie das einigende Band zwischen Schwarzen und Weißen. «The Time of Our Singing» kann daher als Gesangsoper im doppelten Wortsinn verstanden werden. Das dreiaktige Werk beruht auf dem 2003 erschienenen, gleichnamigen Roman von Richard...
Violette Blitze schießen aus zwei gigantischen Drahtsäulen. Es brutzelt und lärmt gewaltig. Auf der Bühne steht ein Tesla-Transformator. Er wirft nicht nur im richtigen Zeitpunkt Funken, sondern setzt, in Tonhöhe wie Rhythmus, zudem elektrische Spannung (inklusive ihrer späteren Entladung) frei. Sein Erfinder Nikola Tesla ist die Hauptfigur von «Electric Saint»....
