Arbeitssieg
Glücklich das Haus, das ein solches Stück mit eigenen Kräften besetzen kann; unglücklich jedoch, wenn es ein Regieteam engagiert, das diesen Kräften durchweg misstraut. Pantomimische und tänzerische Duplikate sind mittlerweile fast schon zur Regel geworden, auch haben wir uns längst an Simultanhandlungen auf der Leinwand gewöhnt, die entweder das Bühnengeschehen tautologisch begleiten oder konterkarieren. Solche Eigenwilligkeiten der Regie, gern als «autonome Denkräume» gepriesen, mögen geeignet sein, italienische Schmalspurtexte zu verbreitern.
«Die Meistersinger» und «Parsifal» eignen sich herrlich für wohlfeile Kritik an Deutschtümelei und Kreuzrittertum – bei «Tristan und Isolde» jedoch mündet jeder Versuch, die Bedeutungsebene des Werkes hermeneutisch zu überschreiten, in eine Kapitulation vor dem Stoff.
Hannover liefert eines der vielen Beispiele dafür. Zwei Butoh-Tänzer sollen uns den Hintersinn dieser Liebestragödie vermitteln, der sich nach Meinung des Regisseurs Stephen Langridge aus Text und Musik nicht ergibt. Die Sänger werden entmündigt, die Zuschauer bevormundet. Der Zusammenhang von Liebe und Tod, Auslöschung und Verschmelzung dürfte den meisten Besuchern, die ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Volker Tarnow
Der Kollege gab sich ziemlich ernüchtert. Die alte Fassung besitze doch eine «eigenartige, wilde Schönheit», urteilte Hans Werner Henze. An der neuen beklagte er die «Rückkehr zur Tonalität», weshalb der Urversion von Paul Hindemiths «Marienleben» aus dem Jahre 1923 unbedingt der Vorzug zu geben sei. Auch als Signal: Die junge Tonschöpfer-Generation habe...
Inge Borkh war die letzte Überlebende jener beeindruckenden Sopranistinnen-Riege, die zwischen 1950 und 1970 die Opernbühnen beherrschte. Wie keine zweite Sängerin, deren Kunst auf Tondokumenten festgehalten ist, war sie die Inkarnation von Strauss’ Elektra, einer Partie, die sie mehrere hundert Mal sang. «Frenetische Leidenschaft, erhabene Liebe, fantastischer...
Die Schlüsselfigur: ein Dichter. Schon vor Beginn der eigentlichen «Handlung» in Thomas Larchers Kammeroper «Das Jagdgewehr» ist er unwillentlich zu ihrem Auslöser geworden, hat er doch nach flüchtiger Begegnung mit einem Jäger dieses Erlebnis sogleich poetisch verarbeitet. Es war ihm so vorgekommen, als drücke die Churchill-Doppelflinte des Fremden, der mit...
