Apropos... Wien

Die Bregenzer Festspiele setzen diesen Sommer einen HK Gruber-Schwerpunkt: Zeitgenössisches mit einer geballten Ladung Wiener Aberwitz. Der 1943 geborene Komponist reicht seine für die letzte Saison angekündigte Horváth-Oper nach, außerdem gibt’s die Schweins-Satire «Gloria von Jaxtberg»

Opernwelt - Logo

In «Geschichten aus dem Wiener Wald» decouvriert Ödön von Horváth das «goldene Wienerherz». Sie sind Wiener.
Ich bin in Wien geboren. Aber ich habe mich wegen dieser vielen goldenen Wienerherzen entschlossen, niemals ein professioneller Wiener zu werden. 

Horváth selbst war ja eher Un-Wiener.
Er wurde in Fiume, heute Rijeka, geboren und war ein typisches Gewächs der k. u. k. Monarchie. Erst mit zwanzig begann er, wirklich auf Deutsch zu schreiben.

Brecht sagte, Horváth habe mit den «Geschichten aus dem Wiener Wald» ein «Wiener Volksstück gegen das Wiener Volksstück» geschrieben. Großartig, wie der Dichter den Dialekt quasi als Subtext mitlaufen lässt, was viel besser, weil assoziationsreicher ist, als wenn man im Dialekt sprechen würde.

Wie fühlt sich der Text für den Komponisten an?
Horváth hat eigentlich die Melodik schon mitkomponiert, ich musste sie nur erkennen. Und Michael Sturminger hat mir mit seinem Libretto da sehr geholfen.

Auch Horváth selbst gibt musikalische Anweisungen.
Ja, zum Beispiel am Schluss: Oskar stützt Marianne, «gibt ihr einen Kuss auf den Mund und langsam ab mit ihr – und in der Luft ist ein Klingen und Singen, als spielte ein himmlisches Streichorchester die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Everybody's Darling

Als eine Art pièce de résistance gilt Brittens «Billy Budd» innerhalb der opernaffinen Queer-Community. Der «schöne Matrose», der alle Bewunderung an Deck eines Kriegsschiffs auf sich zieht, wird gern als Bild latent homosexueller Arbeits- und Lebenszusammenhänge gedeutet. Und entspricht so möglicherweise sogar den Intentionen des Komponisten (dessen Lebenspartner...

Ein Abschied, ein Abgesang

Das schrägste, schmierigste, schaurig-schönste Faktotum dieser «Erzählungen» ist der schlaksige Weißkittel, Doktor Spalanzani. Irgendwo treibt er sich immer herum auf der Bühne des Teatro Real. Manchmal schiebt er eine abgedeckte Leiche quer durch die ranzige Halle, in deren Mitte Aktmodelle für ergraute Eleven posieren, die mit dem Kohlestift die Zeit totschlagen....

Giftgrün beleuchteter Alptraum

Möglicherweise sei unsere Welt die Hölle eines anderen Planeten, lesen wir in altertümlicher Schreibmaschinenschrift auf dem Vorhang, bevor dieser hochfliegt und ein dumpfes Brummen wie Kopfschmerz durch das Braunschweiger Staatstheater zieht. Roland Schwab inszeniert die deutsche Erstaufführung von Vivaldis «Farnace» – uraufgeführt 1727 in Venedig und bis 1738...