Apropos ... Verführung

In München war sie Fiordiligi, in Glyndebourne sang sie die «Figaro»-Gräfin: Seit ihrem Debüt als Pamina an Covent Garden vor neun Jahren hat sich Sally Matthews zu einer der gefragtesten Mozart-Sängerinnen entwickelt. Jetzt geht die britische Sopranistin die wohl schwierigste Rolle dieses Fachs an: In Jean-Louis Martinotys Neuinszenierung des «Don Giovanni» an der Wiener Staatsoper singt sie ihre erste Donna Anna. Dirigieren wird Franz Welser-Möst, Premiere ist am 11. Dezember.

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Mrs. Matthews, obwohl Mozart im Zentrum Ihres Repertoires steht, sieht es ganz so aus, als sei Ihr Donna Anna-Debüt Ihre erste Begegnung mit dem «Don Giovanni» überhaupt.
Das stimmt nicht ganz. Die Elvira habe ich als Studentin schon in einer kleinen Produktion gesungen, und die Zerlina hatte ich schon für Covent Garden gelernt. Nur habe ich sie dann nicht gesungen, weil ich schwanger wurde.

Sie haben da die Auswahl zwischen drei Frauen. Warum haben Sie sich für Donna Anna entschieden?
Einfach, weil sie die beste Musik hat.

Elvira ist ein fantastischer Charakter, kann aber auch sehr aggressiv sein. Zerlina ist lieb und sexy, aber das ist es dann auch. Die Schönheit und die Innerlichkeit des Ausdrucks aber sind für Donna Anna reserviert.

Traditionell wird Donna Anna eher mit dramatischen Stimmen besetzt, die auf große Ausbrüche statt Innerlichkeit setzen.
Ich glaube nicht, dass Anna unbedingt eine dramatische Stimme braucht. Schließlich ist sie eine junge Frau, und das Interessante an ihr ist doch gerade, dass sie viele ihrer Gefühle gar nicht direkt äußert. Selbst nach dem Ausbruch des «Or sai chi l’honore» zieht sie sich sofort wieder zurück.

Sympathisch wirkt sie allerdings nicht. ...

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Opernwelt Dezember 2010
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Jörg Königsdorf)

Vergriffen
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