Fränkischer Dickschädel und Opernreformator

Zwei neue Bücher zu Glucks Leben und Werk

Der Name Gluck ist untrennbar mit der Opernreform verbunden, und dennoch kann er als der unbekannteste unter den großen Komponisten des 18. Jahrhunderts gelten. Zwei neue Monografien, die ersten seit mehr als 50 Jahren, suchen hier Abhilfe zu schaffen. Gerhard Crolls in Zusammenarbeit mit seiner Frau Renate entstandenes Buch verspricht eine Gesamtdarstellung von Leben und Werk. Als altgedienter Gluck-Forscher und langjähriger Hauptherausgeber der neuen Gesamtausgabe ist er gewiss einer der besten Kenner des Komponisten.

Großes Gewicht legt er auf die Frühzeit und die Jahre bis zur endgültigen Etablierung am Wiener Kaiserhof. Trotz schlechter Quellenlage entwirft Croll ein differenziertes, manchmal allerdings allzu spekulatives Bild des fränkischen Dickschädels, der sich auf seinen Reisen in Europa zwar als ungemein lernbegierig und anpassungsfähig erwies, sich aber seine Überzeugungen nicht abkaufen ließ und diese dann vor allem in seinen beiden letzten Schaffensjahrzehnten mit großer Zähigkeit durchsetzte.

Unbefriedigend dagegen ist, was Croll zum Werk und seiner Einbettung in die opernästhetischen Diskussionen der Zeit ausführt. Der geistesgeschichtliche Hintergrund bleibt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2010
Rubrik: Medien / Bücher, Seite 34
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Modernes Lehrstück

Francis Poulencs 1957 an der Mailänder Scala uraufgeführte Oper über die Hinrichtung der sechzehn Karmelitinnen von Compiègne während der Französischen Revolution erlebt gegenwärtig an deutschen Bühnen eine erstaunliche Renaissance. Poulenc verknüpft das historische Geschehen mit der von Gertrud von Le Fort hinzuerfundenen Geschichte der jungen Blanche de la Force,...

Was heißt Stütze?

Über «Stütze» wird unter Sängern und Gesangspädagogen rege diskutiert, obwohl der Begriff alles andere als klar definiert ist, was sich schon darin zeigt, dass verschiedene Sprachen für denselben Vorgang unterschiedliche Begriffe verwenden (z.B. appoggio im Italienischen, soutien im Französischen und support im Englischen), Begriffe, die jeweils unterschiedliche...

Realgeschichte und Romantik

Ort und Zeit: Böhmen, kurz nach Ende des Dreißigjährigen Krieges. So steht es jedenfalls in Friedrich Kinds Libretto. Anders auf der Leinwand, da heißt es: Dresden, 1813. Überhaupt ist einiges anders in der Filmoper von Jens Neubert, die sich aus guten Gründen nicht einfach «Freischütz» nennt, sondern marktgerecht «Hunter’s Bride». Das einstige Kreuzchor-Mitglied...