Apropos... Stilles Wirken
Herr Farnes, es ist ja recht still um Sie. Ihr Agent meinte, Sie gäben nicht gern Interviews.
Ach, wenn jemand mit mir sprechen möchte, helfe ich gern aus. Aber es stimmt, Selbstvermarktung ist mir unangenehm. Vielleicht bin ich auch einfach nicht ehrgeizig genug.
Wenn Ihnen Ruhm so wenig bedeutet: Wonach suchen Sie stattdessen?
Nach Zufriedenheit.
Wovon hängt die ab?
Davon, ob mir die tägliche Arbeit Freude macht. Vom Ensemblegefüge, den Beziehungen zu den Kollegen.
Wenn ich nach vollbrachter Arbeit weiß, dass wir gemeinsam das Beste aus uns herausgeholt haben: Dann bin ich zufrieden.
Haben Sie deshalb während Ihrer Zeit als Generalmusikdirektor in Leeds praktisch nicht gastiert?
Mir fehlte in Leeds ja nichts. Im Gegensatz zu vielen Opernorchestern hat das der Opera North einen symphonischen Kalender. Es gibt eine überaus engagierte Education-Abteilung. Das Haus leistet sehr viel, gemessen am Budget. Da müssen alle hart anpacken, der Job wird zur Lebensaufgabe. Ich habe mich überall reingekniet: in die Programmgestaltung, das Casting, das Alltagsgeschäft, das ganze Klein-Klein. Was nützt ein GMD, der sich wie ein Gast verhält?
Ihre Amtszeit endete 2016 mit einem hochgelobten ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Wiebke Roloff Halsey
Eine solche Szene gab es noch nie in der Oper Halle: Mitten im Pressegespräch über die neue Spielzeit, zu der das Haus Mitte Mai eingeladen hatte, schnappt sich ein Mitglied des Aufsichtsrats der Theater, Oper und Orchester GmbH (TOOH) das Mikrofon und gibt ungefragt ein Statement in eigener Sache ab. Ein SPD-Stadtrat, der zuvor den Intendanten öffentlich als...
Eine Frau im Brautkleid, gefangen in Erinnerungen, halb träumend, halb delirierend, tigert durch die große Halle ihres verlassenen, kalten, dunklen Schlosses. Stummfilm-Ästhetik. Waffen und Fahnen an den hohen Mauern, ein Kamin, dessen Größe wetteifert mit der Kälte, die er ausstrahlt. Die Frau ist keine Lucia, auch keine Mélisande, überhaupt alles andere als eine...
Die Szene ist Legende. Weil sie so mysteriös ist, buchstäblich von Schlummerwolken umkränzt. «Götterdämmerung», zweiter Aufzug, erste Szene. Ein Mann sitzt, schwer bewaffnet, am Flussufer vor der Gibichungenhalle und schläft. Aber er schläft mit offenen Augen. Träumt er, dämmert er vor sich hin? Oder macht er nur ein kleines Brecht’sches Nickerchen, in dessen...
