Apropos... Musikpädagogik
Frau Tzavara, was unterscheidet eine Oper für Erwachsene von einem Musiktheater für Kinder?
Generell nicht viel, außer der Länge. Bei Sechs- bis 14-Jährigen liegt der Standard bei 60, 70 Minuten ohne Pause. Wenn wir von Jugendopern sprechen, vertragen die jungen Zuschauer auch schon anderthalb Stunden. Wir hoffen ja immer, dass die Konzentrationsfähigkeit zunimmt. (lacht) Wichtig bei den Inhalten ist, dass Kinder in der Lage sind, sie zu decodieren oder sich zu ihnen assoziativ zu verhalten. Kinder brauchen Anknüpfungspunkte zu eigenen Erfahrungen.
Das bedeutet nicht, dass man Inhalte verniedlichen sollte.
Was ist ganz schrecklich bei Opernbemühungen für Kinder, wobei bekommen Sie die Krise?
Bei betulichem, didaktischem, Wir-zeigen-den-Kindern-wie-die-Welt-funktioniert-Theater. Das unterfordert Kinder, wir wollen sie ja eher anspornen, selbst die Welt zu erfahren. Ein Beispiel: Meine erste Opernuraufführung war in Köln «Vom Fischer und seiner Frau», jazzig vertont von Ingfried Hoffmann, der auch die «Sesamstraßen»-Musik geschrieben hat. Jetzt gerade feierten wir die Premiere des Musiktheaters «Gold» von Leonard Evers an der Jungen Oper Stuttgart – nach dem gleichen Thema. Das Motiv, ...
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Opernwelt April 2017
Rubrik: Magazin, Seite 87
von Götz Thieme
Das erste Mirakel des Abends ist das Orchester der Opera Vlaanderen. Man hört das knappe Vorspiel zum Prolog so seidenfein leicht und fast beiläufig, wie Verdi es sich wohl gedacht hat. Und was suggestiv beginnt, hält und trägt durch den gesamten «Boccanegra». Alexander Joel bringt die Wunderklänge dieser Partitur zum Sprechen, lässt die Details glänzen, behält...
Es ist nicht ganz so schlimm, so stimmungstötend wie zuvor in der Messehalle am Rande der Stadt. Das aktuelle Exil der Augsburger Opernsparte liegt dichter am Zentrum und bietet dem Genre, freilich in konzertanter Form, seit Langem ein Zuhause. Und dennoch: 70er-Jahre-Betonschick, etwas Holz, viel Orange, keine Hinter- und Nebenbühne – auch der Kongress am Park...
Manchmal sieht man es erst auf den dritten Blick. Wenn Vaters schmuckes Jackett speckige Flecken bekommt, wenn Mutter nur noch Billigstfleisch beim Discounter kauft – oder wenn das Kind nicht mit auf Klassenfahrt kann: Es strauchelt sich schnell in exakt jenem sozialen System, in dem der wahre Status getarnt sein will. Existenznot beginnt mit kleinen,...
