Apropos... Liederliebe

Seit Beginn der Spielzeit 2018/19 gehört SAMUEL HASSELHORN zum Ensemble der Wiener Staatsoper, der 28-jährige Bariton ist also gleich ziemlich hoch eingestiegen. Umso schöner, dass der bereits vielfach ausgezeichnete Sänger sich auch der kleineren, feinen Kunst des Liedes widmet. Wie auf seiner jüngsten CD (siehe auch Seite 16). Da singt er die «Dichterliebe» gleich zweimal: in der vertrauten Version von Schumann sowie in wenig bekannten Vertonungen

Herr Hasselhorn, mussten Sie bei der Aufnahme Ihrer «Dichterlieben» manchmal aufpassen, in welcher Vertonung Sie sich gerade befinden?
Man muss sich als Sänger bewusst machen, dass zwei verschiedene Vertonungen desselben Textes in ganz verschiedene Ausdrucksbereiche vorstoßen können. Zum Beispiel fordern dieselben Wörter manchmal andere Färbungen. Aber auch der Pianist und der Tonmeister müssen sich umstellen.

Es wird oft behauptet, Heines Gedichte verhielten sich ironisch zur Liebe, Schumanns Vertonung dagegen nicht.

Wie sehen Sie das?
Sänger werden in der Tat in Rezensionen auffallend häufig dafür kritisiert, dass sie die Ironie nicht vermittelt hätten. Schumanns Zyklus ist aber auch für mich ein sehr ehrlicher, in dem es um einen jungen, naiven Menschen geht. In anderen Liedern wie «Die beiden Grenadiere» oder «Der arme Peter» hat Schumann viel mehr Ironie von Heine in die Musik übernommen.

Gibt es für Sie diese naive Liebe in der Gegenwart noch?
Ich glaube schon, obwohl in Zeiten der Technisierung und Globalisierung auch die Liebe schnelllebiger geworden ist. Es gibt noch immer Lieben, die im Selbstmord enden. Aber insgesamt herrscht doch mehr ein «heute hier, morgen da», ...

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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Michael Stallknecht