Zweiter Anlauf, erste Sahne
Das Breitwandspektakel, das Herbert von Karajan 1966 als Regisseur und Dirigent in Salzburgs Großem Festspielhaus unter dem Titel «Carmen» präsentierte, wurde von der Kritik überwiegend negativ aufgenommen. Und das betraf nicht nur die szenische Seite. Der Vorwurf: Karajan habe Bizets opéra-comique zu einer Grand opéra aufgeblasen. Die Verfilmung dieser Produktion, die ich erst auf der großen Leinwand, später dann als DVD sah, schien mir diese Kritik zu bestätigen.
Umso überraschter war ich beim Hören des Live-Mitschnitts aus dem Jahr 1967: Er bezeugt ein adäquateres Verständnis von Bizets Musik. Der Maestro hatte im zweiten Jahr auch musikalisch entscheidende Korrekturen vorgenommen. Störend sind weiterhin die Balletteinlagen im zweiten Akt (mit Musik aus anderen Werken des Komponisten). Doch die Delikatesse, mit der die Wiener Philharmoniker hier die Valeurs der Partitur auskosten, wird dem französischen Stil sehr wohl gerecht.
Das gilt auch für die Leistungen der Sänger: Sie missverstehen «Carmen» nicht als Vorwegnahme des Verismo. Die Entspanntheit und chansonhafte Leichtigkeit im Vortrag von Grace Bumbry entspricht dem Charakter der Musik und der Figur genau. Und Jon ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 18
von Ekkehard Pluta
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