Apokalypse now
SRNKA: VOICE KILLER Musiktheater an der Wien
Edward J. Leonski war nicht zwingend das, was man einen schlechten Menschen nennt. Er hatte sich und seine Emotionen nur nicht im Griff. Während des Zweiten Weltkriegs war der Sohn russisch-polnischer Einwanderer, wie Tausende weitere junge US-amerikanische Soldaten, als GI in Melbourne stationiert, und sie alle langweilten sich mächtig.
Leonski aber genügte die Langeweile nicht, er trat aus sich, aus der Ordnung, dem Maß der Dinge heraus: Innerhalb von zwei Maiwochen des Jahres 1942 ermordete er wahllos drei Frauen – Mrs Ivy Violet McLeod, 39, Mrs Pauline Buchan Thompson, geborene O’Brian, 32, und Miss Gladys Lilian Hosking, 40. Und er griff weitere Frauen an (die seine Attacken jedoch überlebten), weil er ihre Stimmen nicht ertrug, ihren Gesang, weil dieser Gesang ihn an seine kranke Mutter erinnerte. Leonski wurde für die Morde hingerichtet, das Gesetzbuch sah diese Strafe vor. Aber damit konnten weder er noch irgendjemand anderer die drei Frauen wieder zum Leben erwecken. Kaum jemand außer den Angehörigen und ihren Nachfahren weiß heute noch, was damals geschah.
Die Morde, samt ihrer Umstände und Folgen, als Stoff für eine Oper zu ...
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Opernwelt August 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten, Michael Struck-Schloen, Götz Thieme, Peter Krause
Das Versepos «Orlando furioso» war ein Steinbruch für Librettisten. Einzelne Stränge aus der hochkomplexen Handlung um den (rasenden) karolingischen Ritter Roland haben Lully, Vivaldi, Hasse, Händel, Haydn vertont – und Agostino Steffani. Der italienische Komponist und Diplomat war zeitweilig am Welfenhof in Hannover angestellt und schrieb dort unter anderem den...
Den Begriff kennen wir aus der Philosophie des 17. Jahrhunderts. Anno 1649 verfasste René Descartes seinen legendären Tractatus logicus «Les Passions de l’âme» (Die Leidenschaften der Seele) und legte damit ein Traktat vor, das, wiewohl nur subkutan, erhebliche Wirkung vor allem auf jene Kunstform ausübte, die sich a priori glänzend eignete für diesen prekären...
Zum ersten Mal
Auftritt bei den Opernfestspielen von München: Susanna Mälkki dirigiert «Pénélope» von Gabriel Fauré. Es ist ein Abend der Premieren: Das Stück wird erstmals an der Bayerischen Staatsoper gezeigt, auch die finnische Dirigentin gibt ihr Debüt bei einer Neuproduktion. Die Inszenierung im Prinzregententheater übernimmt Andrea Breth. Wir fahren hin.
Aus...
