Apokalypse im Kloster

Würzburg: Stäbler: Letzte Dinge

Der Roman «Im Land der letzten Dinge», eine der frühen Publikationen des Kultautors Paul Auster, 1987 erschienen, ist eine klassische Dystopie – er steht in derselben spezifisch amerikanischen Erzähltradition, die zuletzt Cormac McCarthys Endzeitvision «Die Straße» hervorgebracht hat. Die «vier letzten Dinge» – im Christentum traditionellerweise Tod, Gericht, Verdammnis und Erlösung – stehen hier als Chiffre für die Apokalypse, die Geheime Offenbarung des Johannes (in der ja genau davon die Rede ist).

Und die Untergangsszenarien in Austers Roman können sich mit denen des biblischen Buches tatsächlich messen: eine Stadt, in der jede Ordnung zusammengebrochen ist, in der permanenter Bürgerkrieg herrscht, in der der Tod durch Mord, Selbstmord, Hunger oder Krankheiten allgegenwärtig und der Kannibalismus organisiert ist (die Ich-Erzählerin kommt beinahe in einem Menschen-Schlachthaus ums Leben). Keine Zukunftsvision – darauf legt der Autor Wert: Vorbilder für seine Schilderungen waren unter anderem die Belagerung Leningrads im Zweiten Weltkrieg und der Stadt-Moloch Kairo.

Darum zu wissen, kann beim Besuch von Gerhard Stäblers «konzertanter Aktion» nicht schaden. Ist schon das Buch als ...

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Opernwelt Dezember 2010
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Ingo Dorfmüller

Vergriffen
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