Apokalypse im Kloster
Der Roman «Im Land der letzten Dinge», eine der frühen Publikationen des Kultautors Paul Auster, 1987 erschienen, ist eine klassische Dystopie – er steht in derselben spezifisch amerikanischen Erzähltradition, die zuletzt Cormac McCarthys Endzeitvision «Die Straße» hervorgebracht hat. Die «vier letzten Dinge» – im Christentum traditionellerweise Tod, Gericht, Verdammnis und Erlösung – stehen hier als Chiffre für die Apokalypse, die Geheime Offenbarung des Johannes (in der ja genau davon die Rede ist).
Und die Untergangsszenarien in Austers Roman können sich mit denen des biblischen Buches tatsächlich messen: eine Stadt, in der jede Ordnung zusammengebrochen ist, in der permanenter Bürgerkrieg herrscht, in der der Tod durch Mord, Selbstmord, Hunger oder Krankheiten allgegenwärtig und der Kannibalismus organisiert ist (die Ich-Erzählerin kommt beinahe in einem Menschen-Schlachthaus ums Leben). Keine Zukunftsvision – darauf legt der Autor Wert: Vorbilder für seine Schilderungen waren unter anderem die Belagerung Leningrads im Zweiten Weltkrieg und der Stadt-Moloch Kairo.
Darum zu wissen, kann beim Besuch von Gerhard Stäblers «konzertanter Aktion» nicht schaden. Ist schon das Buch als ...
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Wenn das nicht opernträchtig ist! Ein Komponist, ein Hocharistokrat dazu, erwischt die Frau Gemahlin mit ihrem Liebhaber und befördert beide ins Jenseits. Alfred Schnittke machte denn auch eine Oper daraus, Franz Hummel eine andere, ganz besonders filigran und nuancenreich Salvatore Sciarrino – und nun Marc-André Dalbavie. Klar, der meuchelnde Musiker ist Carlo...
Mrs. Matthews, obwohl Mozart im Zentrum Ihres Repertoires steht, sieht es ganz so aus, als sei Ihr Donna Anna-Debüt Ihre erste Begegnung mit dem «Don Giovanni» überhaupt.
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