Apokalypse geht immer
Ein Triple infernale, zumindest für das Münchner Publikum: Krzysztof Pendereckis «Die Teufel von Loudun» bei den Opernfestspielen 2022, Bratt Deans «Hamlet» im vergangenen Jahr – und nun «Le Grand Macabre» von György Ligeti. Das ist schwer verdauliche Kost, die Intendant Serge Dorny da jeweils zum Auftakt des Festivals serviert(e). Zumal an einem Ort, wo der versammelten Gala-Gemeinde gern Verfettung durch Kulinarik droht.
Und hätte sich das Hickhack um seine Vertragsverlängerung noch länger hingezogen, bis nach dieser Premiere also – die Kritik an Dorny und an seinem Führungsstil inklusive Repertoire-Vorlieben wäre wohl noch mehr gewachsen.
Der kürzlich bis 2031 verlängerte Chef hat die Zeichen der Zeit anscheinend verstanden. Immer häufiger hält er seinen Kartenkunden Zuckerl hin, Hits des Repertoires, diese allerdings in avancierter Regiesprache. Die Umkrempelung vollzieht sich am Max-Joseph-Platz als abgebremste Evolution. Und so wie Prokofjews «Krieg und Frieden» kurz nach dem Angriff auf die Ukraine hier bestürzende Aktualität entfaltete, so passt nun auch Ligetis «Anti-Anti-Oper», wie ihr Schöpfer sie nannte: Apokalypse geht immer, erst recht im Sommer 2024.
Wobei Ligetis ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 7
von Markus Thiel
Im StaatenHaus, der Ausweichspielstätte der Kölner Oper, sieht es aus wie in einem Atommüll-Lager. Die Ausstatterin Patricia Talacko nutzt die Nähe zwischen Publikum und Kunst und bettet das Zuschauerpodest zwischen weiße Plastiksäcke. Noch nie wirkte Weiß so giftig. Mit gespitzten Ohren ist zu erahnen, dass das nervige Gemurmel im Hintergrund aus Lautsprechern...
Liebe Frau Baumgartner, können wir über Träume reden?
Ja, klar, auf jeden Fall.
Schön. Träumen Sie manchmal in Farbe?
Ich glaube, ich träume immer in Farbe. Ich habe Farben in meinen Träumen nie vermisst, das wäre mir aufgefallen; demnach müssen sie ja wohl vorhanden sein.
Vermissen Sie irgendwelche Farben?
Ich folge meist einem inneren Gefühl; das dockt irgendwo...
All die vielen kleinen Motive, die Leoš Janáček dem Duktus des Tschechischen abgelauscht und in rhythmische Floskeln, gackernde Holzbläsereinwürfe und prägnante Melodien übersetzt hat, rauschen sprechend an uns vorüber – mitunter in manischer Erregtheit, dann auch mal mit versteckter Hinterlist. Dirigent Alexander Joel hat mit dem Orchestre de l’Opéra de Lyon...
