Ewig jung
All die vielen kleinen Motive, die Leoš Janáček dem Duktus des Tschechischen abgelauscht und in rhythmische Floskeln, gackernde Holzbläsereinwürfe und prägnante Melodien übersetzt hat, rauschen sprechend an uns vorüber – mitunter in manischer Erregtheit, dann auch mal mit versteckter Hinterlist. Dirigent Alexander Joel hat mit dem Orchestre de l’Opéra de Lyon entsprechend detailverliebt gearbeitet. Er erschöpft sich aber nicht im peniblen Zusammensetzen eines musikalischen Mosaiks. Es geht ihm in der «Sache Makropulos» immer auch ums große Ganze, um den Sog langer Bögen.
Und so dürfen wir an diesem famosen Abend eben auch vernehmen, wessen Zeitgenosse Janáček war. Trotz seines ausgeprägten Personalstils meinen wir von den triebhaften Abgründen in Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» zu hören, von der psychischen Polyphonie in Strauss’ «Elektra» oder «Salome», vom extremen Expressionismus in Korngolds «Toter Stadt», von Puccinis lukullischem wie pointiertem Melos.
Das Nervöse und Hysterische der Partitur scheint auch eine Gegenseite zu haben, die in berückenden Inseln der Schönheit aufscheint. Womöglich erinnert sich Emilia Marty, die zentrale Figur, in solchen Momenten an ihre ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Peter Krause
Mehr norwegische Geschichte rund um ein kleines Dorf geht wohl kaum: Die Kirche auf dem unfernen Hügel etwa war eine der «Valgkirken» (Wahlkirchen), in der 1814 die erste Wahlrunde zum norwegischen Reichstag stattfand; schon im 9. Jahrhundert brach auf dem Eis des Sees Randsfjorden Hálvdan der Schwarze samt Gefolge tödlich auf dem Eis ein, der Vater des ersten...
Diese Tonart, das wissen wir nicht erst seit Puccinis Musikdramen, sondern bereits aus den Zeiten Johann Sebastian Bachs, verheißt wenig Wohliges. H-moll, das klingt nach Abschied, nach Sorgenfurchen, nach Tod. Und wenn Franz Schubert das letzte Lied der «ersten Abteilung» seiner «Winterreise» in diese Tonart kleidet, dann ahnt auch der Wanderer, dass sein Weg wohl...
In Bulgarien wird traditionell viel Musik von Giuseppe Verdi und von Giacomo Puccini gespielt, das deutsche Opernrepertoire hingegen ist nicht so stark vertreten. Umso erstaunlicher, dass das Opernhaus in Sofia nun schon zum sechsten Mal ein Wagner-Festival ausrichtet, das seinen Ausgang im Jahr 2010 mit einer Produktion des «Rheingold» nahm. Die drei restlichen...
