Ewig jung

Janáček: Die Sache Makropulos an der Oper Lyon

Opernwelt - Logo

All die vielen kleinen Motive, die Leoš Janáček dem Duktus des Tschechischen abgelauscht und in rhythmische Floskeln, gackernde Holzbläsereinwürfe und prägnante Melodien übersetzt hat, rauschen sprechend an uns vorüber – mitunter in manischer Erregtheit, dann auch mal mit versteckter Hinterlist. Dirigent Alexander Joel hat mit dem Orchestre de l’Opéra de Lyon entsprechend detailverliebt gearbeitet. Er erschöpft sich aber nicht im peniblen Zusammensetzen eines musikalischen Mosaiks. Es geht ihm in der «Sache Makropulos» immer auch ums große Ganze, um den Sog langer Bögen.

Und so dürfen wir an diesem famosen Abend eben auch vernehmen, wessen Zeitgenosse Janáček war. Trotz seines ausgeprägten Personalstils meinen wir von den triebhaften Abgründen in Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» zu hören, von der psychischen Polyphonie in Strauss’ «Elektra» oder «Salome», vom extremen Expressionismus in Korngolds «Toter Stadt», von Puccinis lukullischem wie pointiertem Melos.

Das Nervöse und Hysterische der Partitur scheint auch eine Gegenseite zu haben, die in berückenden Inseln der Schönheit aufscheint. Womöglich erinnert sich Emilia Marty, die zentrale Figur, in solchen Momenten an ihre ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2024
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Peter Krause

Weitere Beiträge
Soap Opera

Hoher Besuch sorgt stets für Aufregung. Wobei die Spekulationen darüber, was dem Gast gefallen könnte, zu einem steilen Crescendo anschwellen können. Aus der historischen Tatsache, dass sich Kaiserin Maria Theresia 1750 in Graz ankündigte, dann aber doch nur durchreiste, machte das Grazer «Styriarte»-Festival nun einen als «Rokoko-Soap» angekündigten Doppelabend,...

Editorial Opernwelt 8/24

Auf den ersten Blick haben die Mini-Soap «For the Drama», die man, so die Tapferkeit groß ist, in der ARD-Mediathek abrufen kann, und die Entscheidung vieler öffentlich-rechtlicher Rundfunk- und Fernsehanstalten, Kultursendungen zu kürzen oder gleich ganz aus dem Programm herauszustreichen, nicht viel miteinander zu tun. Sieht man etwas genauer hin, ergeben sich...

Frühlingsgefühle

Bedřich Smetana ist im kollektiven Musikgedächtnis als Komponist der «Moldau», dem prominentesten Teil des symphonischen Zyklus «Má vlast» (Mein Vaterland) abgespeichert. Aus Smetanas Opernschaffen hat eigentlich nur die «Verkaufte Braut» ihren Weg ins Kernrepertoire gefunden. Und die scheint derzeit aus der Mode gekommen, von den großen Häusern brachte zuletzt die...