Anspruch und Einspruch

Dem großen Theatermacher und Gedankenbeweger Klaus Zehelein zum 70. Geburtstag

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Bei einem Darmstädter Vortrag dachte Theodor W. Adorno 1961 darüber nach, was künstlerische Utopie bedeutet. Seine Antwort: Dinge machen, von denen man nicht weiß, was sie sind. Man kann diese Maxime und den Anspruch, der sich mit ihr verbindet, als Einspruch lesen. Ist es nicht so, dass – auch und gerade in der Kunst – meist Dinge gemacht werden, von denen man genau weiß, was sie bedeuten, bewirken, bedienen? Das gilt für die Oper ganz besonders. Der Betrieb folgt Gesetzen, die sich schwer verrücken lassen; Stimmen und Instrumente haben ihre eigene Logik.

Der Repertoire-Kanon mag verachtenswert erscheinen, ihn zu erweitern bedeutet eiserne Disziplin und finanzielles Risiko.

Klaus Zehelein, der fünfzehn Jahre die Stuttgarter Staatsoper und vorher (mit Michael Gielen) zehn Jahre die Oper Frankfurt geleitet hat, war seit jeher jemand, der Kunst aufs Unbekannte, noch nicht Greifbare hin ausrichten wollte. Kunst, das bedeutet für ihn: Essenz der Gesellschaft. Damit auch: das Gegenteil von Event. Kein Mann also für Opernbälle und Starkult. Trotzdem ein großer Freund charakteristischer und schöner Stimmen (man muss gehört haben, wie er von der jungen Gabriela Benacková schwärmen kann). ...

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Opernwelt September/Oktober 2010
Rubrik: Magazin, Seite 94
von Stephan Mösch

Vergriffen
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