Andeuten, Ahnen, Verschweigen

Verdi: Otello Erfurt / Theater

Opernwelt - Logo

Düsternis liegt auf der Bühne, graue Schlieren schwärzen sich nach und nach ein. Drei Podeste, nach hinten gestaffelt, heben und senken sich, ­gegeneinander versetzt. Auf dem mittleren steht Otello, das sturmgepeitsche Meer fest im Blick. Man meint die perlende Gischt auf der Haut zu spüren, während der Chor um die heile Rückkehr des Kommandanten und seiner Mannschaft zittert.

Überall Uniformen, grimmig blickende Männer, Zahnräder, Kolben, Kessel, eine Dampfmaschine: In Erfurt siedelt Intendant Guy Montavon «Otello» in der Epoche des Ersten Weltkriegs an (die Spielzeit 2014/15 widmet er unter dem Motto «Geliebter Feind» dem französischen Repertoire). Im Jubiläumsjahr mag das keine große Überraschung sein, aber egal: Dieser «Otello» ist eine starke Inszenierung geworden. Weil sie das gären­de Gemisch aus Verschweigen, Andeuten, Ahnen hervorkehrt, das Verdis Vorlage charakterisiert – den Shakespeare’schen «Othello»-Ton, in dem das Wesentliche unausgesprochen bleibt: Desdemona stellt ihren Mann nie ernsthaft zur Rede. Die Kulissen sind in strenge geometrische Formen gegossen, die die Ausweglosigkeit des Geschehens betonen.

Das Philharmonische Orchester Erfurt unter Tyrone Paterson ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Udo Badelt

Weitere Beiträge
Präzision und Leidenschaft

Vorbei sind die Zeiten, in denen einst klingende Namen wie Antonio Caldara und Leonardo Vinci allenfalls einigen Spezialisten oder besonders leidenschaftlichen Liebhabern der Barockoper vertraut waren. Vor ­einigen Jahren hat etwa Philippe Jaroussky mit seinem Album «Caldara in Vienna» nachdrücklich auf den großen Wiener Hofkomponisten des frühen 18. Jahrhunderts...

Zum Raum wird hier der Klang

Bernd Alois Zimmermanns «Soldaten» markieren eine kopernikanische Wende in der Operngeschichte. Die dort erstmals verwirklichte Vorstellung von der Kugel­gestalt, «zu der sich die Zeit biegt» – in Zimmermanns Worten «der Gedanke von der Einheit der Zeit als Einheit von Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft» –, hat das Musiktheater nachhaltig verändert. Das...

Happy Birtwistle!

Gerhard Persché: Letztes Jahr störte der Schriftsteller Philip Hensher das Britten-Centenary, indem er die Meinung vertrat, nicht eine einzige von Brittens Opern wäre musikalisch so interessant wie «Punch and Judy». Ob Britten spürte, dass ihn da einer überflügelte und deshalb 1968 aus der Uraufführung von Harrison Birtwistles bitterbös-skurriler Tragikomödie floh?
...