Andeuten, Ahnen, Verschweigen
Düsternis liegt auf der Bühne, graue Schlieren schwärzen sich nach und nach ein. Drei Podeste, nach hinten gestaffelt, heben und senken sich, gegeneinander versetzt. Auf dem mittleren steht Otello, das sturmgepeitsche Meer fest im Blick. Man meint die perlende Gischt auf der Haut zu spüren, während der Chor um die heile Rückkehr des Kommandanten und seiner Mannschaft zittert.
Überall Uniformen, grimmig blickende Männer, Zahnräder, Kolben, Kessel, eine Dampfmaschine: In Erfurt siedelt Intendant Guy Montavon «Otello» in der Epoche des Ersten Weltkriegs an (die Spielzeit 2014/15 widmet er unter dem Motto «Geliebter Feind» dem französischen Repertoire). Im Jubiläumsjahr mag das keine große Überraschung sein, aber egal: Dieser «Otello» ist eine starke Inszenierung geworden. Weil sie das gärende Gemisch aus Verschweigen, Andeuten, Ahnen hervorkehrt, das Verdis Vorlage charakterisiert – den Shakespeare’schen «Othello»-Ton, in dem das Wesentliche unausgesprochen bleibt: Desdemona stellt ihren Mann nie ernsthaft zur Rede. Die Kulissen sind in strenge geometrische Formen gegossen, die die Ausweglosigkeit des Geschehens betonen.
Das Philharmonische Orchester Erfurt unter Tyrone Paterson ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Udo Badelt
Niederösterreich» heißt es im Text, auch der Name Natascha kommt vor (die mörderische Mutter der Protagonistin wird so genannt). Das könnte ein Indiz für Aktualitätssucht sein. Doch Georg Friedrich Haas und sein Librettist Händl Klaus beteuern, «Bluthaus», 2011 in Schwetzingen uraufgeführt (siehe OW 6/2011), dessen erweiterte Neufassung nun erstmals bei den Wiener...
Haben Sie sich die Zeit nach Ihrer Intendanz so vorgestellt?
Nee. Jedenfalls nicht so arbeitsreich. Ich hatte schon gehofft, etwas mehr Freizeit zu haben und das Zuhause genießen zu können. Ich bin fast genauso viel auf Reisen wie zu Sängerzeiten.
Man könnte sich auch dagegen entscheiden.
Ja, das stimmt wohl. Aber wenn man im Alter noch so gefragt ist, ist das schon...
Hübsch ist der Tod. Sexy, ob im Pailletten-Fummel oder im Weißkittel als Dottoressa Mirakel. Vor allem aber: Er ist die heiße Affäre jenes Mannes, der nun aus dem Schattenreich zurückkommt – und vielleicht, wenn die Liebe der im Diesseits verbliebenen Mutter oder seiner Gattin stark genug ist, wieder unter die Lebenden darf. Ein Mann, drei Frauen, man ahnt es...
