Andeuten, Ahnen, Verschweigen
Düsternis liegt auf der Bühne, graue Schlieren schwärzen sich nach und nach ein. Drei Podeste, nach hinten gestaffelt, heben und senken sich, gegeneinander versetzt. Auf dem mittleren steht Otello, das sturmgepeitsche Meer fest im Blick. Man meint die perlende Gischt auf der Haut zu spüren, während der Chor um die heile Rückkehr des Kommandanten und seiner Mannschaft zittert.
Überall Uniformen, grimmig blickende Männer, Zahnräder, Kolben, Kessel, eine Dampfmaschine: In Erfurt siedelt Intendant Guy Montavon «Otello» in der Epoche des Ersten Weltkriegs an (die Spielzeit 2014/15 widmet er unter dem Motto «Geliebter Feind» dem französischen Repertoire). Im Jubiläumsjahr mag das keine große Überraschung sein, aber egal: Dieser «Otello» ist eine starke Inszenierung geworden. Weil sie das gärende Gemisch aus Verschweigen, Andeuten, Ahnen hervorkehrt, das Verdis Vorlage charakterisiert – den Shakespeare’schen «Othello»-Ton, in dem das Wesentliche unausgesprochen bleibt: Desdemona stellt ihren Mann nie ernsthaft zur Rede. Die Kulissen sind in strenge geometrische Formen gegossen, die die Ausweglosigkeit des Geschehens betonen.
Das Philharmonische Orchester Erfurt unter Tyrone Paterson ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Udo Badelt
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