Aus einem Totenhaus
Niederösterreich» heißt es im Text, auch der Name Natascha kommt vor (die mörderische Mutter der Protagonistin wird so genannt). Das könnte ein Indiz für Aktualitätssucht sein. Doch Georg Friedrich Haas und sein Librettist Händl Klaus beteuern, «Bluthaus», 2011 in Schwetzingen uraufgeführt (siehe OW 6/2011), dessen erweiterte Neufassung nun erstmals bei den Wiener Festwochen vorgestellt wurde, lange vor Natascha Kampusch und Josef Fritzl konzipiert zu haben. Die Realität habe die Fiktion überrollt.
Die Kolportage-Handlung schildert das Trauma der von ihrem Vater missbrauchten Nadja (Sarah Wegener, großartig wie schon in der Schwetzinger Uraufführung). Sie will das Haus verkaufen, da die Eltern plötzlich verstorben sind. Peu à peu erfährt man, dass es Mord und Selbstmord war. Nachbarn und Interessenten kommen. Die Schatten der Vergangenheit fallen schwer auf Nadja; Vater und Mutter (beeindruckend Otto Katzameier und Ruth Weber) treiben als Zombies weiterhin ihr Unwesen, und im misslungenen Sexualakt mit dem Makler (der Counter Daniel Gloger) wird die unveränderte erotische Bindung des Mädchens an den Vater offenbar. Schließlich bleibt die junge Frau allein und erstarrt im ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Gerhard Persché
Der Komponist Manfred Gurlitt (1890-1972) vertonte fast gleichzeitig mit Alban Berg den «Woyzeck» von Büchner, der damals noch Wozzeck hieß. Das gelang ihm vorzüglich, weil er sich eng an die Vorlage hielt. Später vertonte er auch die «Soldaten» von Lenz. Das misslang aus dem gleichen Grund: Er hielt sich zu eng an die Vorlage. «Die Soldaten» – das ist die...
Der Laden sieht ziemlich schäbig aus: schmuddelig-gelbliche Wän- de, billiges Mobiliar, überall Müll auf dem schachbrettartigen Boden. Und an der dürftigen Theke, hinter der trostlose Kacheln giftgrün schimmern, fehlt selbst das, was sonst in jeder italienischen Bar zu finden ist: die Kaffeemaschine. Einzig der neon-leuchtende Schriftzug im Obergeschoss zeugt...
Bleich sieht er aus, wenn er so in die Leere starrt. Leise tönt seine Stimme. Mehr singt es aus ihm, als dass er die Initiative ergreifen würde. A-Dur ist plötzlich eine fahle, weiße Tonart und «Là ci darem la mano» alles andere als eine Verführungsnummer. Don Giovanni holt seine Gedanken aus weiter Ferne. Mit der kleinen, drallen Zerlina jedenfalls, deren Augen...
