Anatomie des Bösen
Der «Andere», namenlos, kommt ins Dorf, mit Esel und Pferd. Ein Krieg ist zu Ende, der die Überlebenden, so oder so beschädigt, zurückgelassen hat. Gewaltmenschen waren aufgetaucht, in dem merkwürdig deformierten Pseudo-Deutsch, das sich hier ins Französisch mischt, «Fratergekeime» genannt. Sie hatten Männer gemordet und Frauen misshandelt, hatten Lager umzäunt für alle, die keine Menschen mehr sein sollten. Die Dorfleute haben eine Vergangenheit aus Trauma und Schuld, sie sind Opfer, Täter oder Kollaborateure und auf jeden Fall verstrickt.
Als der Andere im Dorf erscheint, der hier ein bisschen aussieht wie Gandalf, der gute Zauberer aus «Herr der Ringe», der wenig, aber freundlich spricht, wird er vom Bürgermeister begrüßt – willkommener Gast in einer neuen Zeit, ein Künstler. Doch die Porträts, die er von den Menschen im Dorf macht, geraten zu Spiegeln ihrer Deformiertheit, unerträglich für die, die mit aller Gewalt nach vorn schauen wollen. Sie töten erst seine Tiere und dann den Anderen selbst.
Schreckliches ist, damit fängt es an, schon geschehen, als Brodeck, der nach Krieg und Lager wieder im Dorf lebt, im Wirtshaus nach einem Stück Butter fragt. Emélia, seine Frau, hat ...
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Opernwelt April 2024
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Holger Noltze
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