... Alter
Frau Baumgartner, Sie verkörpern oft Rollen, die normalerweise als ältere Frauen dargestellt werden, die Gaea in Strauss’ «Daphne» zum Beispiel oder die Amme in der «Frau ohne Schatten». Ist das nicht ein seltsames Gefühl, plötzlich so zu altern?
Wenn ich in der Maske sitze, beängstigt mich manchmal dieser Prozess. Das ist, als ob ich im Spiegel mich selbst in zwanzig, dreißig Jahren sehe. Natürlich kann ich bei diesen Figuren nicht aus eigener Erfahrung schöpfen, sondern beobachte eher mein Umfeld und die Leute auf der Straße.
Aber davon abgesehen weiß ich nicht, ob das Alter bei diesen Figuren überhaupt so eine entscheidende Frage ist. Nehmen Sie die Amme – die ist ja keine alte Jungfer, sondern eine Frau, die sich in erotischen Dingen ziemlich gut auskennt. Im Mittelalter wäre so eine vermutlich als Hexe verbrannt worden. Auch stimmlich sollte man für diese Rolle im Vollbesitz seiner Kräfte sein.
Auch die Geschwitz, die Sie jetzt in Salzburg singen, wird ja gern als sentimentale alte Schachtel gezeigt.
Für mich ist sie alterslos – die Geschwitz kann zwischen zwanzig und sechzig jede Zahl von Lebensjahren haben. Dass sie oft reifer dargestellt wird, liegt wohl daran, dass sie ...
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