Surreale Welt
Am Anfang stand ein Film, Fatih Akins preisgekröntes Leinwanddrama «Gegen die Wand» mit einem Stoff von heute, wie er in den Türkenvierteln deutscher Städte zum Alltag gehört. Sibel geht eine Scheinehe mit dem lebensmüden Cahit ein, um endlich aus dem Gefängnis des Elternhauses ausbrechen und sich ins Großstadtleben mit all seinen Verlockungen und Auswüchsen stürzen zu können. Aber auch draußen knallen die beiden Außenseiter überall gegen Wände.
Cahit, der sich – wider Willen – doch noch in Sibel verliebt, bringt einen ihrer Liebhaber um und landet im Gefängnis.
Sibel führt mit Freund und Kind ein neues Leben in Istanbul, Cahit folgt ihr und findet sie. Und doch hat ihre Liebe keine Zukunft.
Ludger Vollmer hat das Kunststück fertiggebracht, die Filmvorlage zu einer Oper einzudampfen, die mit wenig (mal deutschem, mal türkischem) Text auskommt und der Musik viel Raum lässt – eine fetzige Mixtur aus E und U, aus europäischen und türkischen Klängen, Jazz- und Discosound, in die sich Gott sei Dank nur selten gewöhnliche Operngesten verirren. Im klein besetzten Orchester lassen neben den dröhnend-harten Schlagzeugsoli vor allem orientalische Zupfinstrumente wie Quãnun und Sãz oder die ...
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Auch mehr als hundert Jahre nach ihrer Entstehung gehört Claude Debussys einzige Oper noch immer zu den großen Herausforderungen des Musiktheaters. Wie in Wagners «Tristan» (der in Maeterlincks Drama – Debussys Textvorlage – ständig als Bezugspunkt im Hintergrund spukt) ist auch in dieser Dreiecksgeschichte aus Liebe, Eifersucht und Tod alle Handlung nach innen...
Die alte Burg von Savonlinna hat schon viele Opern gesehen in der bald 100-jährigen Geschichte der Stadt als Festspielort. Doch keine scheint so gut dorthin zu passen wie «Tosca». Beim Anblick des massiven mittelalterlichen Mauerwerks rückt die Engelsburg vor das geistige Auge, und Regisseur Keith Warner lässt auch gleich zu Beginn der diesjährigen Neuproduktion...
Bücher über Dirigenten sind eine bei Autoren wie Lesern beliebte Spezies. Eine heikle allerdings auch. Denn die Vita eines Dirigenten, so schillernd sie (gewesen) sein mag, sagt meist wenig über sein künstlerisches Profil. So häufen sich Dirigenten-Bücher, in denen von Musik nur zwischendurch und von konkreten Interpretationsfragen gar nicht die Rede ist. Eva...
