Alptraum in Pink
Das nächtliche Warten der «Frau Schmetterling» im Hochzeitskleid auf die heiß ersehnte Ankunft ihres Mannes aus dem fernen Amerika – Doris Dörrie nimmt es symbolisch. Sie zeigt Butterflys Traum, zeigt, wie Puccinis Titelheldin, eingesponnen wie eine Raupe in einen weißen Kokon, sich langsam aus ihrer Verpuppung windet, mit einem Fächer auf dem Rücken zu einem Falter erblüht (Choreografie: Tadashi Endo) und sich doch in einem Netz verfängt, das eigentlich das Dach ihres Hauses sichert.
Schon die Liebesszene im ersten Akt begann unter diesem Fächer, und sterbend wird Cio-Cio-San ein letztes Mal zum Schmetterling. Das mag man kitschig finden, aber es ist zutiefst berührend, passt wunderbar zu Puccinis Musik und kontrastiert effektvoll zu einer Inszenierung, die eine bei der Uraufführung 1904 in der Jetztzeit spielende Handlung in das Japan von heute verlegt: «Enjo-Kosai» nennt sich das weit verbreitete Phänomen von Schulmädchen, die sich in Business-Hotels prostituieren, um Handyrechung oder ein neues der verrückten, von allen begehrten Kleidchen bezahlen zu können, aber auch um vielleicht den reichen, schönen Liebhaber aus dem Westen zu finden. So ist alles, was Bernd Lepel im ...
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