«All die tausend Sterne, die du dort siehst ...»
«Stephans ernste Begabung steht außer Frage.» Das schrieb der noch keine 21 Jahre alte Theodor Wiesengrund-Adorno (der sich erst im amerikanischen Exil als Theodor W. Adorno bezeichnete) im Mai 1924 über eine Aufführung von Rudi Stephans 1913 entstandener «Musik für Geige und Orchester».
Doch empfand er den im Weltkrieg Gefallenen bereits als Zeuge einer vergangenen Epoche, «die das Leben zum Maße des Lebens erhob und auch den Tod, wo er ihr begegnete, in Leben aufzulösen trachtete, indem sie ihn als Sieg universalen Lebens über individuelles begriff, ohne ihn konkret zu erfahren und an seiner Erfahrung ins Bedingte zu finden». Gerade durch seinen eigenen frühen Tod habe Stephan, so Adorno, diese Erfahrung des Todes nicht künstlerisch realisieren können – «die Dunkelheit seiner Akkorde liegt bloß als innerästhetischer Hintergrund vor dem scheinhaften Glanz des gefeierten immanenten Lebens.»
Diese Kritik kann durchaus auch auf «Die letzten Menschen» bezogen werden (deren Frankfurter Uraufführung 1920 sich der junge Adorno gewiss nicht hatte entgehen lassen). «Die ersten Menschen» schließen trotz des mit aller Wucht dargestellten Brudermords am Ende nicht mit der Klage über diese ...
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Opernwelt Jahrbuch 2023
Rubrik: Wiederentdeckung des Jahres, Seite 44
von Wolfgang Fuhrmann
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