Agamemnons Raumstation
Das Theater ist eine Zeitmaschine. Wer Platz nimmt, beamt sich durch die Jahrhunderte. So auch in Darmstadt. Hier residiert bekanntlich das Europäische Raumflugkontrollzentrum ESOC – Europas Tor zum Weltraum. Wer in die Tiefen des Alls blickt, schaut in die Vergangenheit. Das Licht der Sterne, das heute bei uns ankommt, startete vor unendlichen Zeiten.
Vorwärts in die Vergangenheit – auch im Kleinen Haus des Staatstheaters: Dunkel wird’s. Die Streicher beschwören mit fallenden Motiven Unheimliches herauf.
Dann hebt sich der Vorhang, und das Publikum fliegt zwischen Sonnen und Sternen. «Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis…», liest man auf einem Schriftband. Das ist der Beginn der berühmten Science-Fiction-Serie «Star Wars». Die Ouvertüre passt zum Weltraumspektakel, als ob Hollywood-Regisseur George Lucas sie bei Christoph Willibald Gluck bestellt hätte. In weiße Plastikrüstungen gesteckte Soldaten, in rote mönchsartige Kutten gewandete Priester, in verführerisch hautengem Kostüm die Königstochter – selbst Laserschwerter und Weltraummonster fehlen nicht.
Opernregisseur Philipp Kochheim zitiert die kalifornische Traumfabrik, versetzt ...
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«Orlando» wurde am 20. August 1720 im Privattheater des Prinzen von Torella in Neapel uraufgeführt. Das Besondere an dieser Premiere: Die Titelpartie sang ein damals noch unbekannter Sänger, der später als Farinelli Weltruhm erlangen sollte. Er war Schüler des Komponisten Nicola Porpora. Dieser war damals vierunddreißig Jahre jung und hatte bereits sieben Opern...
Mit seiner letzten Stuttgarter Arbeit als Dramaturg hat Klaus Zehelein, zusammen mit der erstmals in Deutschland inszenierenden flämischen Regisseurin Monique Wagemakers, zum großen Befreiungsschlag ausgeholt und ein gleichermaßen beliebtes wie missachtetes Repertoirestück, Puccinis «Madama Butterfly», von allen musikalischen Unter- wie szenischen Überforderungen...
Wie jemand, der aus dem «Wozzeck» ein globalisierungskritisches Drama gemacht hat, den «Rosenkavalier» inszeniert, wäre schon sehenswert gewesen. Allein, die Komische Oper entband den angekündigten Richard Jones vom Dienst an Strauss. Begründung: Konzept zu teuer, der Hausherr macht‘s billiger. So sprang Andreas Homoki ein und überarbeitete mit Bühnenbildner Frank...
