Foto: Theater / Jochen Quast
Ästhetischer Übergriff?
Schon vor 40 Jahren hat Hans Werner Henze gegen die wahllose Selbstbedienung des Tanztheaters aus dem Plattenschrank der Musikgeschichte polemisiert: «Es wäre mir angenehm, die Choreographen würden ihre Füße von der Musik lassen, die nicht für sie gedacht ist.» Längst haben diese «Übergriffe» aufgrund einer «mangelhaften ästhetischen Erziehung» (Henze) auch das Musiktheater erreicht. Händel-Oratorien, Bach-Passionen und Bach-Kantaten, selbst die Totenmessen Mozarts und Verdis sind auf der Bühne zu besichtigen.
Die Frage nach dem künstlerischen Mehrwert einer solchen Dramatisierung und Visualisierung stellt sich besonders dringlich bei Bachs überwiegend chorisch besetzter «Messe in h-Moll» mit ihrer komplexen Kontrapunktik. Handlung ist aus dem Gottesbekenntnis der lateinischen Messe beim besten Willen nicht herauszukitzeln; auch formal findet sich, anders als in den Oratorien, Passionen und Kantaten mit ihrer Abfolge von Rezitativen und Arien, keine Berührung mit der Oper. Achim Freyer hat die «H-Moll-Messe» 1996 als «theatralischen Versuch über das Dasein» inszeniert, dabei Chor und Solisten in den Orchestergraben verbannt und auf der Bühne eine Art wortloser, seelischer Anatomie ...
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Opernwelt Februar 2018
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Uwe Schweikert
Herr Albrecht, müssen Künstler gute Menschen sein?
Nein. Überhaupt nicht. Nehmen wir Richard Wagner, einen meiner Hausgötter: Er war sicherlich kein guter Mensch; charakterlich problematisch, in vielerlei Hinsicht schwach und fehlerhaft. Dennoch möchte ich keine Note von «Tristan» oder «Lohengrin» missen. Seine Musik interessiert mich ein Leben lang. Ob ich ihn...
Tja, so ist das, wenn Hände sprechen können. Es ist anders, anders intensiv. Es bedarf nicht der Berührung der Körper, keiner direkten sinnlichen Annäherung. Hände vermögen Gefühle, Gesten, Gedanken in einer Weise auszudrücken, die uns heute anachronistisch erscheinen mag, zur Zeit der Barockoper indes gang und gäbe war. Wie beispielsweise auch in Georg Philipp...
«Freudlos, ein allgemeines Jammern, das sich als Unterhaltung gibt», befand der Kritiker Brooks Atkinson dem Kurt-Weill-Biografen Ronald Sanders zufolge über die Uraufführung des Vaudeville «Love Life» 1948 in New York. Tatsächlich verschwand das Stück, eine Mischung aus Musical und Nummernrevue, nach 252 Vorstellungen in der Versenkung. Ein Streik der Tontechniker...
