Aber bitte mit Sahne!
Ob Birgit Nilsson herzlich lachend und mit einem ironischen Kommentar ihr Einverständnis gegeben hätte, dass es nun auch einen Wein gibt, der ihren Namen trägt? Wir wissen es nicht. Nur eines ist gewiss: Der seit wenigen Jahren auf den fruchtbaren heimatlichen Böden der Bjäre-Halbinsel wachsende Weißwein prägt so tiefe Wurzeln aus wie die Hochdramatische selbst, die nach ihren Auftritten in Bayreuth, Wien, München und der New Yorker Met ganz selbstverständlich immer wieder dahin zurückkehrte, wo ihr Vater Nils einst seinen Bauernhof betrieb.
Hier molk die jugendliche Birgit bis zu ihrem Studienbeginn in Stockholm selbst die Kühe, arbeitete auf dem Feld, ritt aber auch auf dem Pferd durch die sanft hügelige Landschaft aus, was ihren später legendären Auftritten als Wagners Brünnhilde librettokonform und gänzlich angstfrei das hoheitliche Erscheinen der Lieblingstochter Wotans mit dem Ross Grane ermöglichte. Am ersten Weihnachtstag des Jahres 2005 verstarb die vermutlich bedeutendste Wagner- und Strauss-Heroine der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und dennoch ist sie seither so enorm präsent, dass man beim Besuch im noch von ihr selbst initiierten Museum auf dem väterlichen Hof ...
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Opernwelt November 2025
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Peter Krause
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Dem Namen des heute vergessenen italienischen Barockkomponisten Geminiano Giacomelli ist der interessierte Hörer erstmals 2009 auf Cecilia Bartolis CD «Sacrificium» begegnet. Damals sang Bartoli die Arie des Epitide «Sposa, non mi conosci» aus Giacomellis «Merope» – Musik mit Suchtcharakter, die daran erinnert, dass aus derselben Oper auch die Arie «Quell’usignolo»...
