Abendstern, durchleuchtet
Ohne den dunklen Gevatter funktionierte diese Forschung früher nicht. Sehr genaue, anatomisch weitgehend korrekte Zeichnungen konnte Leonardo da Vinci im 15. Jahrhundert anfertigen, von der Zunge, vom Rachen, vom Kehlkopf. Doch vor der Niederschrift seiner Forschung samt Illustrationen stand die Arbeit mit dem Messer.
Das Universalgenie schnitt die Hälse Verstorbener auf, zerlegte sie, um hinter ein Geheimnis zu kommen, das die Wissenschaft schon weit vor der Renaissance beschäftigte: Wie ist es eigentlich bestellt um die menschliche Stimme? Was ist das Geheimnis dieses vollkommensten aller Instrumente? Wo liegen die Ursachen von Lautproduktion und jenem Kommunikationsmittel, das den Homo sapiens über das Tierreich erhebt?
Schon um 500 vor Christus forschte und fabulierte der griechische Philosoph Empedokles über die Stimme. Zwei Jahrhunderte nach Beginn unserer Zeitrechnung zerlegte der römische Arzt Claudius Galen die Halsmuskeln von Schweinen. 1854 nahm der Stimmpädagoge Manuel García einen Zahnarztspiegel, führte ihn in seinen eigenen Hals und beobachtete mit einem zweiten, wie sich seine Stimmbänder bewegten. Je mehr die Medizin fortschritt und sich verfeinerte, desto ...
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Die Ersten waren sie nicht an der Deutschen Oper Berlin. Das «Wunder der Heliane», Erich Wolfgang Korngolds lange geschmähtes opus maximum, wieder ganz groß herauszubringen – dieser Aufgabe hatte sich das kleine Pfalztheater in Kaiserslautern bereits 2010 gestellt. Auch der Opera Vlaanderen war das überbordende Werk unlängst einen szenischen Wiederbelebungsversuch...
Den Titel ihres kürzlich erschienenen Memoirenbandes darf man durchaus als Lebensmotto verstehen: «Leicht muss man sein». Der Versuchung, sich das (ihr von Karl Böhm, Bernstein, Karajan und anderen angetragene) hochdramatische Fach zu erobern, hat sie widerstanden. Als Elvira, Dorabella, Carmen, Adalgisa, Octavian oder Marschallin aber – um nur einige ihrer...
Etwas war anders als sonst. Ziemlich anders. Nicht mehr vier Teile, sondern nur deren drei enthielt das gemeinsam von Tatjana Gürbaca (Regie), Bettina Auer (Dramaturgie) und dem Dirigenten Constantin Trinks realisierte «Ring»-Projekt im Theater an der Wien. Grundidee war es, die Geschichte aus dem Blickwinkel der Opfer, der jungen Generationen in Wagners Zyklus,...
