Stimmen aus dem Abgrund

Schumanns «Genoveva» als beklemmende Seelenschau: Nikolaus Harnoncourts und Martin Kusejs Zürcher Produktion liegt als DVD vor

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Im 19. Jahrhundert musste man die Legende der Genoveva niemandem lang erklären. Die Geschichte jener Frau, die von einem zurückgewiesenen Verehrer fälschlich der Untreue bezichtigt und vom vermeintlich betrogenen Ehemann zum Tode verurteilt wird, gehörte zum literarischen Gemeingut des Biedermeier und der Romantik.

Ludwig Tieck hatte den Stoff 1800 zu einem Trauerspiel verarbeitet, Friedrich Hebbel ließ 1843 eine fünfaktige Tragödie folgen, die den Akzent freilich vom Opfer zum Täter, von der jungen Gattin des Pfalzgrafen Siegfried zu dem hoffnungslos für sie entflammten Ritter Golo verschob. Diese Perspektive liegt auch dem Genoveva-Libretto zugrunde, das Robert Reinick – unter tatkräftiger Mithilfe des Komponisten – für Schumanns einzige Oper schrieb. Der 1850 in Leipzig uraufgeführte und bald in den Fundus entsorgte Vierakter nimmt vor allem die seelischen Verwerfungen des schwärmerischen Edelmannes in den Blick. Die Konturen der Titelheldin werden wesentlich aus Golos Perspektive gezeichnet, sind das Ergebnis seiner Projektionen. Ein Psychodrama also, das mehr mit Schumann und seiner Ära, mehr auch mit der unbehausten Moderne als mit einem fiktiven Mittelalter oder einer ...

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Opernwelt Februar 2009
Rubrik: Medien/DVDs, Seite 21
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
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