Es muss nicht immer Händel sein
Giovanni Carestini (1700-1760) verfügte, wie Zeitgenossen berichteten, nicht nur über einen traumhaft schönen Sopran von einzigartiger Kultur und Reinheit. Der Kastrat war auch ein leidenschaftlicher Schauspieler voll szenischer Fantasie und Ambition. Seine Verkörperungen rührten das Publikum zu Tränen. Das dürfte den Countertenor Philippe Jaroussky gereizt haben, dem Geheimnis des großen Rivalen Farinellis anhand seiner Paraderollen nachzugehen.
Zwölf Arien aus neun für ihn komponierten Opern zwischen 1725 und 1752 enthält «Carestini – The Story of a Castrato».
Das Programm folgt einer ebenso einfachen wie wirkungsvollen Dramaturgie: Auf eine Bravour-Arie folgt jeweils ein langsames Stück. Dadurch wird die enorme gestalterische Spannweite des Kastraten in vielen Nuancen nacherlebbar. Man hat aber auch den Eindruck, dass Jaroussky auf den Spuren seines Vorbildes zu einem Gestalter ganz großen Formats wächst. Staunenswert ist die Leichtigkeit und Präzision auch rasantester Koloraturen gleich zu Beginn in der Trompeten-Arie aus Nicola Porporas
«Siface». Im träumerischen B-Teil ist der Ton voll verführerischer Süße und Seele. Hinreißend das schmelzende messa di voce, das langsame ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Christa Ludwig, auch als Liedsängerin eine der Großen des 20. Jahrhunderts – im März wird sie achtzig –, zitiert im Gespräch über den Liedgesang gern einen Ausspruch ihrer Mutter und Lehrerin. «‹Ich hoffe›, hat sie zu mir gesagt, ‹dass du dir die Stimme so lange behältst, bis du weißt, um was es sich handelt.› Dieses ‹bis ich weiß, um was es sich handelt› heißt,...
«Dieses Libretto halte ich, was Erfindung und Poesie betrifft, für mein bestes: wollüstig, ohne lasziv zu sein, fesselte es das Publikum ... von Anfang bis Ende.» So Lorenzo Da Ponte in seiner Autobiografie. Allein schon diese selbstbewusste Einschätzung müsste neugierig machen auf Vicente Martín y Solers Dramma giocoso «L’arbore di Diana», das im Oktober 1787...
Harfenumrauscht und von Blechbläserchören vergoldet, ziert Engelbert Humperdincks «Hänsel und Gretel» auch in Amerika immer wieder den weihnachtlichen Gabentisch der Opernhäuser. In einem solch gottesfürchtigen Land könnte schließlich nichts besser auf das Fest einstimmen als die finale Versicherung, dass Gott der Herr die Hand uns reicht, wenn die Not aufs...
