Meisterswinger, Meisterrapper
Auf der Bühne herrscht beträchtlicher Verkehr. Mit Graffiti übersäte Kübelwagen rumpeln ihre Runden, spacke Superhelden in prallengen Kostümen schwirren durchs Terrain, viel Volk und Sänger purzeln die Treppen des Bühnenbildes rauf und runter. Unten am Bühnenrand parken trojanische Pferde, und die Nerven des Publikums werden von Maschinenpistolengarben zerrüttet, die durch die Nacht peitschen. Wo wir sind? In Deutschland natürlich, in Nürnberg, nicht weit vom späteren Reichsparteitagsgelände.
Hier tagen die Meistersinger, eine frühbürgerliche Spießer-Elite, lauter Handwerksmeister, die nach einem ungemein ausgetüftelten Regelwerk um die Wette singen und dichten, als wär’s ein Battle-Rap. Heute aber müssen sie als Gremium über zwei Dinge entscheiden: Darf der adlige Stolzing, der das Singe-Handwerk nicht gelernt hat, nur begabt und beseelt ist, mitmachen? Mit anderen Worten: Wie hält’s der deutsche Bürger mit Genie und Avantgarde? Und: Darf auch mal das Volk oder dürfen nur Profi-Juroren entscheiden, wer’s am besten kann? Am Ende kriegt Deutschland seinen Superstar, und der Superstar kriegt sein Deutschland.
Doch noch ebbt die Raserei nicht ab. Wir sind nämlich nicht nur in ...
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