Alcinas Wellness-Wunder

Giessen, Haydn: Orlando paladino

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Wann immer man sich einer Ritter-Roland-Oper nähert, ist eines gewiss: Die Handlung wird turbulent, es geht chaotisch zu im Zauberreich der Alcina. Es wird wild geliebt, gehasst und gestritten. Was für den vielfach erfolgreich wiederbelebten «Orlando furioso» von Antonio Vivaldi gilt, funktioniert jetzt auch im Stadttheater Gießen mit Haydns «Orlando paladino». Regisseurin Julia Riegel nimmt sich des Stücks mit der Bereitschaft an, den komischen Unterton des 1782 uraufgeführten «Dramma eroico-comico» nach oben zu kehren – und das funktioniert über weite Strecken gut.


Die Zauberinsel als Wellness-Reich: Alcina ist eine Frau, die den gestörten Figuren mit den Segnungsversprechen unserer Zeit zu Leibe rückt. Geliebt und gelitten wird auf dem Kosmetikstuhl, man beruhigt sich mit Yoga-Übungen, – die weit ausholenden Akt-Finali werden zu interaktiven Gruppensitzungen. All das wird garniert mit märchenhaft-mythischen Kostümen und Fitnessmode, dazu Projektionen aus Ritter-Computerspielen: Das klingt sehr albern und ist es auch – aber es trägt. Denn an den Ruhepunkten der Partitur macht sich dann doch ausreichend jene Tiefe des Ausdrucks breit, die Haydn seinen Figuren mitgegeben hat. Man ...

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Opernwelt April 2009
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Claus Ambrosius

Vergriffen
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