Wenn der Krieg die Kunst einholt
Liebe Freunde, liebe Kollegen, es herrscht Krieg in meinem Land und ich will einige Worte dazu sagen. Es sind seelische Beobachtungen einer russischsprachigen Deutsch-Ukrainerin, die in diesen Tagen nicht nur das Scheitern der Diplomatie erlebt, sondern womöglich auch der Kunst. In der letzten Woche haben mich viele, viele Menschen gefragt, wie es mir und meinen Verwandten in der Ukraine geht, mir liebe Worte der Solidarität, der Unterstützung und der Anteilnahme geschickt. Ich schätze das unendlich, tue mich allerdings schwer, darauf zu antworten.
Daher versuche ich nun – es hat über eine Woche gedauert – meine Gedanken und Gefühle schriftlich festzuhalten. Ich bin zutiefst getroffen, schockiert, fassungslos über die Gewalt, den Terror und die Ungerechtigkeit, die der Ukraine widerfährt. Aber momentan ist das Unerträglichste für mich, dass jenseits aller Zerstörung und Tod ich keinen Ausweg, kein Licht am Ende des Tunnels sehe. Während sich international und im meinem direkten Umfeld in Deutschland eine unglaubliche Welle der Solidarität entfaltet, eine wahnsinnig Energie zutage kommt, fühle ich mich ohnmächtig und hilflos. Ich, die oft gefragt werde, wo ich meine zündende Energie ...
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BTR Ausgabe 2 2022
Rubrik: Foyer, Seite 10
von Julia Lwowski
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