Wenn der Krieg die Kunst einholt

Julia Lwowski, in Odessa geboren, inszenierte im März am Nationaltheater Weimar. Sie ist zudem Regisseurin und künstlerische Leiterin des Musiktheaterkollektivs „Hauen und Stechen“ in Berlin.

Liebe Freunde, liebe Kollegen, es herrscht Krieg in meinem Land und ich will einige Worte dazu sagen. Es sind seelische Beobachtungen einer russischsprachigen Deutsch-Ukrainerin, die in diesen Tagen nicht nur das Scheitern der Diplomatie erlebt, sondern womöglich auch der Kunst. In der letzten Woche haben mich viele, viele Menschen gefragt, wie es mir und meinen Verwandten in der Ukraine geht, mir liebe Worte der Solidarität, der Unterstützung und der Anteilnahme geschickt. Ich schätze das unendlich, tue mich allerdings schwer, darauf zu antworten.

Daher versuche ich nun – es hat über eine Woche gedauert – meine Gedanken und Gefühle schriftlich festzuhalten. Ich bin zutiefst getroffen, schockiert, fassungslos über die Gewalt, den Terror und die Ungerechtigkeit, die der Ukraine widerfährt. Aber momentan ist das Unerträglichste für mich, dass jenseits aller Zerstörung und Tod ich keinen Ausweg, kein Licht am Ende des Tunnels sehe. Während sich international und im meinem direkten Umfeld in Deutschland eine unglaubliche Welle der Solidarität entfaltet, eine wahnsinnig Energie zutage kommt, fühle ich mich ohnmächtig und hilflos. Ich, die oft gefragt werde, wo ich meine zündende Energie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent der Bühnentechnischen Rundschau? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Bühnentechnische-Rundschau-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Bühnentechnische Rundschau

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

BTR Ausgabe 2 2022
Rubrik: Foyer, Seite 10
von Julia Lwowski

Weitere Beiträge
Markt 2/22

01. Vorteile für Lichtdesign und Arbeitsbedingungen
Das Theater Münster, ein Fünfspartenhaus, in dem auch Konzerte des Sinfonieorchesters Münster stattfinden, bespielt neben dem großen Haus seit 1971 das rund 280 Plätze bietende Kleine Haus. Dort wurde bereits Anfang 2020 ein FOLLOW-ME-3D-SIX-System eingerichtet. Pandemiebedingt feierte es erst im Oktober 2021...

Natürlicher Klang ist wertvoll

In vielen Theatern ist der Zuschauersaal für die Stimmen von Sängerinnen und Schauspielern auf der Bühne so schlecht zu erreichen wie das Tor für die Fußballer. Ob Fußball oder Gesang: Beides muss sich auf dem Weg zum Ziel durch eine, aus Sicht der Akteure, viel zu kleine Öffnung quetschen. Eine typischerweise 15 × 6 Meter große Bühnenöffnung verhält sich so, als...

Leichtbau im schweren Erbe

Es ist eine Interimslösung der besonderen Art: Die Kongresshalle des ehemaligen Nürnberger Reichsparteitagsgeländes wird für einige Jahre zum Spielort und zur Arbeitsstätte für die Beschäftigten des Staatstheaters Nürnberg. Denn das marode, im Jahr 1905 eröffnete Opernhaus am Richard-Wagner-Platz muss generalsaniert werden. Die Kombination aus Interim und...